Archiv März 2020

Newsletter März 2020

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis

Das Wetter ist immer noch so wechselhaft wie die Stimmung manchmal bei einem Sesshin. Ganz besonders beim letzten Krokussesshin (Krokusse blühen schon unter dem Schnee und tauchen immer wieder freudig auf:-) im tiefsten Wintersturm mit fast 40cm Neuschnee begann es. Dann beglückte uns ein strahlender, warmer Frühlingstag, gefolgt von einem Regensturm und wieder Winter, dazwischen Stille und Ruhe.
Die letzten Tage waren auch wieder turbulent, erst Sturm und gestern den ganzen Tag wieder Schnee und heute strahlend blau und weiss die Landschaft.
Gut ist bei den vielen Niederschlägen und Sturm nichts gross kaputt gegangen, nur ein bisschen Wassereinbruch in den alten Teilen des Gebäudes.

Bodhidharma antwortete einmal auf die Frage: Was ist das wichtigste im Zen? Leerheit, ohne Heiligkeit!

Kodo Sawaki kommentierte dieses Prinzip mit: Es ist falsch, wenn es auch nur einen kleinen Partikel künstlich erschaffenen Dogmatismus in unserem Geist gibt. Es gibt grundsätzlich keinerlei willkürliche Sichtweisen. Ja, Leere ohne Heiligkeit, nicht nach Wahrheit suchen!

Insbesondere während eines Sesshin können wir lernen unsere persönlichen Sichtweisen anzuhalten.“ Sichtweise” heisst, wie wir die Dinge sehen und diese individuelle Art und Weise ist geprägt durch unseren vererbten und erworbenen karmischen Erfahrungsschatz. Wenn es uns aber gelingt unsere persönlichen Sichtweisen zu stoppen, dann sind die Dinge einfach nur noch wie sie sind.
Wenn wir die Dinge normalerweise anschauen, tut jeder von uns das auf eine andere Art und Weise. Doch das ist nicht richtig. Wenn wir sagen, ich suche nach der Wahrheit, ist die Wahrheit sehr unterschiedlich und basiert auf unseren Erfahrungen der Vergangenheit (Karma). Deswegen können wir auch nicht entscheiden, welche Sichtweise, welcher Person nun die Wahrheit sagt oder nicht. Also, sollten wir nicht nach der Wahrheit suchen, sondern stattdessen unsere persönliche Sichtweise anhalten. „Suchen” heisst in diesem Fall ein willkürliches, künstliches Dogma kreieren wollen, mithilfe unsere Gedanken und Erfahrungen eine Meinung bilden wollen. Das heutige Problem der Ideologie der Populisten beruht auf willkürlichen Dogmen, die sie in die Welt setzen. Deswegen sollten wir als Buddhisten öfter aufhören zu reden und diskutieren und uns stattdessen ruhig und still hinsetzen. Einfach sitzen ist letztlich das einzige was wir tun können. Das ist Sesshin! Und die einzige Möglichkeit die Welt zu ändern und unseren Gelübden gemäss, alle Wesen zu befreien.

Tiefe Praxis und einen schönen Frühlingsbeginn wünsche ich euch.

Herzlich und Gassho
Gyoriki


Newsletter Februar 2020

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wie der Sturm hier heut, so jagt schon das nächste Sesshin Ende Februar heran und das letzte Sesshin mit Kesa-Nähen ist schon durchgezogen. (Naja, hatte schon bessere Intros;-)
Aber trotzdem schon bald wieder die Gelegenheit im Sanshin-ji/Antai-ji Stil drei Tage zu sitzen, um Kontakt herzustellen mit unserer wahren Natur und Wirklichkeit.

Im März kommt Shohaku Okumura Roshi nach Europa, vielleicht sein letztes Mal, also auch die letzte Gelegenheit für euch ihn hier in Europa zu treffen, sein Reiseprogramm kann auf der Sanshin-ji website unter …/events calendar nachgeschaut werden. Ich selber werde ihn in Alès Mitte März begegnen.

In der Karwoche gibt es dann die nächste Möglichkeit an einer klassischen Naikanwoche teilzunehmen – KLARwoche nenne ich sie versuchsweise, um vielleicht andere Menschen anzusprechen. Es gibt noch zwei Plätze.

Den heutigen Tag nutzte ich, um mal wieder die website zu vervollständigen. Es ging beim Schreiben des neuen Menüpunkts „www.zenklause/Sanko-ji/Alles für die Natur!/ und seiner Unterpunkte….” um die Frage, warum Sanko-ji soviel Wert auf das Leben in den Bergen, der Natur, einer Ökolog.Lebensweise legt. Warum die Mühen und der Aufwand, warum nicht bequem inmitten der Stadt einen Ort gründen. Warum lag den „Erneueren” des Soto-Zen im 20 Jhdt. wie Katagiri Roshi mit Ryumonji/Iowa, oder Watanabe Roshi und heute Muho mit Antai-ji/Japan soviel daran, einen Tempel in der Stille der Berge/Natur zu begründen und der Rückkehr zu dem alten chinesischen Zen-Ideal der Selbstversorgung. Warum ist dies in der heutigen, modernen Zeit gerade so wichtig?! Darum geht es in den neuen Texten auf der homepage. Gedanken und Argumente einer Philosophie, die ich nun schon lange mit mir trage und gelobe umzusetzen. Sanko-ji steht damit auch in der Tradition und Argumentation der alten Buddhas und eben jenen erwähnten Erneuern des Zen. Viel Freude beim Lesen und gerne Rückmeldungen,

Ganz herzlich und Gassho

Gyoriki