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Sanko-ji e.V. newsletter Dezember

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis
 
Hoffentlich gehts euch gut. Die Dinge laufen trotz der sehr vielen Arbeiten hier in Sanko-ji gut.
 
Das Rohatsu , das 8 Tage Sesshin, indem wir  14 Stunden am Tag der Erleuchtung Buddhas gedachten, machten wir zu zweit physisch hier im Zendo.  
 
In der Nacht des Rohatsubeginns kam der Winter in die Berge und hüllte uns in Frost und Schnee und Schweigen.  
 
Da passte Dogen Vers: “Schnee bedeckt das Wintergras, der weisse Reiher versteckt sich darin.” 
 
Perfekte Bedingungen fürs Rohatsu, da ich auch in diesem Jahr wieder genug Holz für die Öfen bereit stellen konnte.
 
Philipp, der sein erstes Rohatsu absolvierte, meinte hinterher: “Das war eine sehr kräftige Zeit hier!” Eine sehr schöne Formulierung. Mit seinem Anfängergeist hat er auch mir das Rohatsu erleichtert, denn dieses Jahr verblendete mir Samsara oft (sehr anstrengende Wochen vorher gehabt)  eben diesen so essentiellen Anfängergeist ohne den ein Rohatsu kaum möglich ist. 
 
In unserem kurzen Austausch drückte er auf ähnliche Weise sehr gut  aus, was auch ich im Rohatsu erfahre. Und was das Rohatsu so wertvoll macht und in einem kürzerem Sesshin wenig möglich ist. Obwohl man aufgrund der körperlichen und psychischen Phänomene sich immer wieder einmal sehr unwohl fühlt, ist gleichzeitig ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit und “Wohl- sein” da, ein “Zuhause sein” dürfen. Das möchte man ewig spüren. Ein Mysterium, das man nicht beschreiben kann. Erst am siebten Tag beginnt wieder die Energie und der tiefe Wunsch in einem zu wachsen, wieder in seinen Alltag zurückzukehren.
Auch der Körper hat sich wieder aufgerichtet und fühlt sich leicht und mobil an – zuminstens im Vergleich zu vorher:-)
 
Danke Dharmavorfahren, die ihr uns so viel Positives übermittelt habt!
 
Unerfreulich dagegen, dass aufgrund der verschärften Coronaangstmassnahmen, die Naikanwocheüber den Jahreswechsel ziemlich sicher nicht stattfinden kann. Albin klärt es noch nächste Woche mit dem Ordnungsamt ab. Das ist um so bedauerlicher, da wir zwei Teilnehmern nun schon zum zweiten Mal absagen müssten. Schade wissen die Behörden nichts über die Praxis des Naikan und wie wertvoll es wäre, es zu praktizieren, in diesen merkwürdigen Zeiten.
 
Letzthin stiess ich im neuen Buch über Kodo Sawaki – Discovering the true self auf folgenden Text.  Kosho Uchiyama Roshi brachte die Essenz der Lehre seines Meisters Kodo Sawaki in sieben Leitsätzen unter. Ohne um diese Leitsätze vorher zu wissen, finde ich, haben wir in Sanko-ji schon vieles davon umsetzen können und ich finde deswegen, sie passen sehr gut in unser Leitbild!:
 
  •  Gewinnen ist Illusion, Verlieren ist Erleuchtung
  • Versuche nicht irgendwelche Vorteile zu erreichen, sei nicht gierig und bedaure es nicht, zu verlieren. 
 
  • Etabliere nie eine Organisation. Dinge, die von einer Institution erreicht werden, werden aufgrund dieser Institution zusammenbrechen. Der Aufstieg und Fall von Errungenschaften ist nichts anderes als die Transmigration in Samsara. Dies war Sawaki Roshis fundamentale Haltung. 
 
  • Unterrichte Einzelpersonen nacheinander. Anstatt Menschen allgemein innerhalb eines Systems zu erziehen, müssen wir jeden einzeln ansprechen, da jeder einzigartig ist. 
 
  • Bittet nicht um Spenden. Die Leute haben die Idee, dass sie gebeten werden, zu spenden, wenn sie an einem Tempel beteiligt sind. Dies hat den Buddha Dharma ernsthaft verletzt. Wir bitten nie um Spenden. Auf diese Weise können Menschen kommen, ohne sich um Geld sorgen zu müssen.
 
  • Sei nicht flatterhaft. Handle nicht getrieben von deinen selbst zentrierten Gedanken.
 
  • Wenn du nachlässig bist, wirst du berühmt und erreichst eine hohe Position. bemühe dich, nicht in der Welt aufzusteigen. Besonders nach dem vierzigsten Lebensjahr werden Ruhm und Profit verlockend sein.
 
Passt auf euch auf, bleibt gesund, bleibt “tres Zen”- also lasst euch nicht von der Angst anstecken, nutzt die ruhige Zeit und gute Praxis.
 
Ganz herzlich und tiefes Gassho
 
Gyoriki

Sanko-ji e.V. November newsletter

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-ji’s!


Die Praxis unter COVID 19 Auflagen geht hier unablässig weiter, das ist die gute Nachricht.

In Sanko-ji findet sowohl die tägliche Praxis als auch die Naikanwochen und Sesshins/Rohatsu (s. Veranstaltungen) in angepasster Form (gemäss der aktuellen Corona-Verordnung BW vom 2.11.2020) weiter statt. Dazu wurde von mir das Hygienekonzept erstellt und kann bei Bedarf von jedermann eingesehen werden.

Wir sehen es gerade in diesen Zeiten als wichtig an, gemeinsam und physisch anwesend den universellen Geist verkörpert in Zazen zu praktizieren und danach zu leben. Ich glaube viele Menschen brauchen diese religiöse Praxis, das Ritual, die Zeremonie, das Beten, was auch immer und die religiösen Gemeinschaften sollten sich mehr dafür einsetzen, dass dies real und physisch möglich sein darf, anstatt es sich einfach machen und auf virtuelle Angebote setzen. Ich befürchte, dass sich so Religion noch überflüssiger macht.

Also Praxis jetzt bitte alleine zuhause oder hier in Sanko-ji praktiziere jetzt, es ist essentiell! Kodo Sawaki meint: Ich bin die am meisten verblendete Person auf der Welt, deshalb muss ich soviel Zazen praktizieren. Ich muss ihm widersprechen, ich bin verblendeter.-)

Dazu ein Video der Sotoshu, die erklärt, wie wir alleine richtig Zazen machen können.

https://youtu.be/n_vQVnlgJOI


Wie es zur Verblendung des Menschen und warum Praxis gerade jetzt so wichtig ist, was Meister Dogen und Sawaki dazu sagen sowie Reinold Messmer und der frz. Philosoph B. Morizot, u.a. dazusagen, das habe ich im folgendem kleinen Aufsatz, den ich euch ans Herz legen möchte, sehr verkürzt zusammengefasst. Mir ist bewusst, es gäbe sicherlich noch mehr Aspekte aufzuarbeiten:

Die westliche Zivilisation in der Krise (Kapitel 1) ….

…Wie das Elend begann?… oder Am Anfang waren ein Fake Mythos und ein grössenwahnsinniges Tabu.

Der Mensch hat sich seit jeher als Ausnahme in der Gemeinschaft der Lebewesen definiert und das andere als die Natur da draussen definiert. Nun ist das, so schreibt der frz. Philosoph B. Morizot, gar nicht möglich aus der Gemeinschaft der Biomasse auszutreten. So musste der Mensch der westlichen Zivilisation zu dem Trick greifen, einen sich selbst bestätigenden Mythos inklusive Tabu zu erfinden, der sich folgendermassen beschreiben lässt: Zwar dürfen wir Menschen uns von der in den Lebewesen enthaltenen Sonnenenergie ernähren, aber die anderen Lebewesen haben nicht das Recht, sich von der in uns enthaltenen Sonnenenergie zu ernähren.
Das dazugehörige Tabu besteht nun darin, alle Bedingungen zu verbieten und zu verdrängen, unter denen wir als Biomasse anderen zur Verfügung stehen könnten.
Dies hatte in den Jahrtausenden bis heute zur Folge, dass alle Lebewesen, die UNS und UNSEREN Nutztieren, – pflanzen schaden oder gar essen könnten, wie Raubtiere, Schädlinge, Bakterien, Pilze und Viren, etc., ausgerottet werden müssen.
Ganz anders übrigens in anderen Kulturen, wie zum Beispiel in Teilen Sibiriens. Hier gehen die alten Menschen, wenn sie den Tod fühlen in den Wald, und übergeben sich dort in einen anderen Zustand. Sie geben ihr Fleisch, ihre Biomasse zurück und treten zurück in den Kreislauf des Waldes ein. (Es gibt also Alternativen)

Soweit dieser kleine Exkurs: Obwohl der Mensch immer wieder betont wie wichtig sie ihm ist, ist die Natur nur willkommen, wenn sie so funktioniert, wie er sie sich vorstellt. Im besten Falle ein «nice to have». Viele flüchteten dieses Jahr vor der Pandemie in den Schwarzwald und verbreiteten an den bekannten Hot Spots Lärm, Hektik, etc. Aber die Natur bietet uns genau das Gegenteil: Entschleunigung, Stille,
Einsamkeit. Aber all das ertragen viele Leute nicht mehr – als Resultat eines anderen Problems: der heutigen Handy-Pandemie.

Er hat sich losgelöst von seinem Ursprung, kann er so letztlich auch weiterhin überleben?

Auf die Frage ob er im Zusammenhang mit dem Corona Virus und dem Klimawandel Angst bekäme antwortete Reinhold Messmer: Angst kommt bei mir in diesem Zusammenhang nicht vor, auf beides blicke ich ganz rational. Das Virus ist Teil der Natur, und wir empfinden es als schrecklich. In Wirklichkeit ist dieses Virus weder böse noch gut, es ist nur da und hat genetisch die Information, dass es sich verbreiten muss. Es ist so winzig klein, dass man es mit bloßem Auge nicht sehen kann, und es ist trotzdem in der Lage, die Welt in Schach zu halten – die Menschenwelt. Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht die Krone der Schöpfung sind. Wir Menschen sind nur geduldet auf der Erde, und wir sind eines der schwächsten Glieder, obwohl wir mit der Wissenschaft, der Technologie, der Medizin und der Pharmazie einen Status erreicht haben, der uns in den Glauben versetzt, unendlich zu sein. Als ob selbst der Tod aufzuhalten wäre – alles Humbug! Es wird uns nicht gelingen, uns über die Natur zu erheben.

…Oder Anton Tschechov, in Onkel Wanja (schon 1898 formuliert):

Menschen sind mit Klugheit und Talent gesegnet, um zu vermehren, was ihnen geschenkt wurde, aber statt etwas hervorzubringen, zerstören sie nur. Die Wälder werden immer weniger, die Flüsse trocknen aus, die Tiere sterben aus, das Klima verschlechtert sich und mit jedem Tag wird die Erde hässlicher und ärmer.

Wie also weiter? Nun käme die Religion ins Spiel… (Kapitel 2)

Die Alternative wäre beispielsweise zurück zur Wurzel, zurück zum Ursprung, nachhause ins Universum kommen, dort wo es keinen Unterschied gibt zwischen Leben und Tod, krank und gesund, Glück und Unglück. Die tiefste Methode des «Coming home» ist Zazen, Buddha sein, eins werden mit allen Lebewesen – ja, tatsächlich auch Viren. Aus dieser Erfahrung heraus lebend könnte der Mensch den Wendepunkt schaffen.

Als Bodhisattva geloben wir alle Lebewesen zu retten, alle Lebewesen zu respektieren und der Begriff Lebewesen meint hier nicht nur Menschen und vielleicht noch Haustiere, sondern wirklich Alle Lebewesen und das schliesst nach Dogen Steine, Wasser, alle Elemente mit ein und nicht nur Menschen und das was sie für “wertvoll” halten. Diese Art des Lebens ist für uns heutige Menschen fast unvorstellbar radikal, doch als Soto-Zen Mönch und quasi Anwalt für Dogens Lehre traue ich mich auf den ersten Blick “Ungeheuerliches” zu schreiben.

Obwohl wir denken, dass wir ein Individuum sind, wurde uns unser Leben von der Mutter Natur geschenkt und dort hin kehren wir auch wieder zurück. Wir sind nicht allein! “Wenn ich Zazen praktiziere, umarme ich das Universum” sagt Kodo Sawaki Roshi.

Wenn ich mit dieser Erfahrung nach dem morgendlichen Zazen oder nach dem Sesshin hinausgehe in die Welt und handle, dann ist meine personale Handlung das Handeln des Universums. Du allein handle aus dem Universum heraus und das ist was Dogen mit tiefer Zenpraxis meint. Aus der Universums Erfahrung heraus, als Buddha oder als Stellvertreter des Universums handeln und nicht als Individuum, dass sich durch den sogenannten “Fortschritt” als “losgelöst” und über Universum oder Buddha stehend sieht und handelt, wie es ihm und seiner Spezies gefällt und guttut.

Um mit Kodo Sawaki noch deutlicher zu werden: Wenn du Zazen praktizierst, wirst du schon bald nicht mehr praktizieren. Das grosse Unbegrenzte wird übernehmen und praktizieren…. Im Zazen eliminierst du dich selbst und es wird durch unsere Mutternatur ersetzt.

Ich bin überzeugt, wenn ein paar mehr Menschen, aus dieser Erfahrung auf dieser Welt handeln würden, würden sich die Lebensweisen der Wesen wieder mehr durchdringen.
Doch das Problem der Religion en ist, dass sie den abgekoppelten Menschen gar nicht mehr erreichen. Ist die Abkopplung und die damit verbundene Angst schon zu zu dominierend im Menschen geworden?Alle Religionen beklagen, dass es zu wenig ernsthaft Praktizierende gibt. Ist die Hürde zu gross? Obwohl viele Menschen denken die Zazenpraxis sei schwierig, ist es doch einfach nur die Art wie wir unser tägliches Leben leben. Dogen nennt das ” den praktizierenden Buddha”. Wir machen Zazen zu unserer Grundlage und wir praktizieren unser ganzes Leben mit diesem Körper – das ist der Buddha Weg.

Auch wenn du nicht darüber nachgedacht hast, Zazen ist Buddha zu sein ohne direkte Beziehung zu unserem Denken und Gefühlen.

Zazen zu tun ist der Beweis, dass dir das Leben von der Mutter Natur gegeben wurde. Zazen ist die Fortführung des Universums. In anderen Worten das Universum wird zu dir. Eine Person, die Zazen macht und die ganze Welt macht Zazen. Alle Lebewesen zusammen mit uns, wie schön, oder?! Diese unsere Praxis allein bringt in diese menschliche Welt einen aussergewöhnlichen religiösen Antrieb.

“Was wirst du bekommen, wenn du Zazen praktizierst? Du wirst alles von der Erde und dem Himmel bekommen. Trump, Biden, Putin, Merkel,…alle sind in meinem Zazen.» (Abgewandelt nach Kodo Sawaki)

«Mach das Universum zu deinem Anliegen, mach die Ewigkeit zu deinem Anliegen. Dann kann dich nichts mehr stören. Einer der mit Entschlossenheit sitzt, hat den nicht bewegbaren Buddhageist.» (Kodo Sawaki)

Auch wenn ich trotz Pandemie mehr gemeinsame physische Zazen-Praxis fordere und für den besten Weg halte, gleich noch die restlichen Probleme der Welt zu lösen, bin ich dennoch nicht einer, der die Pandemie verharmlost. Diese Pandemie ist sehr wohl ein Problem. Ich bin bereit, alle Regeln einzuhalten. Mir ist klar, dass wir das nur gemeinsam werden lösen können. Aber im Herzen akzeptiere ich nur die Gesetze des Universums und glaube, dass wir die Probleme nur gemeinsam mit dem Universum lösen können, nicht in dem wir es bekämpfen und zerstören.

Hoffentlich bis bald mal am Sesshin zusammen Buddha spielen!

Gassho und herzlichst
Gyoriki


Newsletter Sanko-ji e.V. Oktober

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-ji!

Schlagartig änderte sich am Wochenende das Wetter von Hochsommer zu Herbst. Es stürmte, schüttete und flockte…Schön zeigt uns die Natur immer wieder das Überraschende und Unerwartete! Immer wieder versuche ich meinen Alltag zu planen und möglichst viele der anstehende Dinge zu organisieren, dies alles obwohl ich aus der Arbeit mit Menschen und mit der Natur weiss, dass dieses Ansinnen unmöglich ist. Es ist schwer Mensch zu sein und Buddha:-).

Inzwischen wurde der Beitrag über Gyoriki in der Zenklause ausgestrahlt. Dem SWR und seinem Team ist es nicht so schlecht gelungen, ein kleines unterhaltsames Filmchen (ca. 6 min) im Vorabendprogramm zu lancieren. Ihr könnt es auf der Homepage anschauen oder unten der YouTube-link.

Direkte Resonanz darauf gab es in sofern, dass eines Tages ein paar Zabutons, Zafus, Sitzbänke vor der Tür lagen. Danke dem Spender. Wer etwas davon brauchen kann, bitte melden.

Die Bauarbeiten auf dem Dach stocken leider aufgrund betriebsbedingter Gründe (Krankheiten) und mangelnder Planung (Dachfenster landesweit ausverkauft)… das Dach nur notdürftig gesichert. Sehr spannend die Zazenmatinee am Samstag, die ich, wie sooft in diesen Zeiten, alleine sass, inmitten von Sturm und kräftigem Starkregen und der Sorge um Haus und Dach. Sieben Stunden “Einfach sein” im tosenden Lärm des Regens und Windes, der flatternden Plane, inmitten … mit allem was da zu gehört…in und ausserhalb des Geistes, Körpers … unbeweglich zumindest in der Haltung:-)…sehr gute Übung! Diese Übung wird wohl noch länger gehen…schön!

Der Herbst mit schlechtem Wetter lässt hier oben im Schwarzwald alle mehr zur Ruhe kommen. Der jahreszeitliche, natürliche Rhythmus bedingt dies, …mehr Dunkelheit, am Ofen sitzen, Zeit zum Lesen und Schreiben haben, die Quitten noch zur rechten Zeit einkochen, Steinpilzzeit, Nüsse sammeln und trockenen, der nun wieder stille Wald nimmt mit viel Geduld den Lärm des Holzarbeiters an und entzückt ihn mit schönen Stimmungen, wie nur der Herbst das kann…. Ich möchte die Jahreszeiten nicht missen.

Die nächste Veranstaltungen hier in der Zenklause sind das Naikan im Oktober/November im Anschluss dann der “Höhepunkt” des Sesshinjahres – das Rohatsu!

Eine Anmeldung zeigt, diese Jahr werde ich nicht alleine sitzen. Rohatsu… Totales Sitzen, totale Entspannung…über alles hinausgehend.. total Buddha!

Viele denken: 14 Stunden/Tag sitzen, das ist extrem! Besser ich geh zu denen, da hab ich ein Einzelzimmer, da kann ich mich austauschen, mich erholen. Die haben Buffet, da ist ein grosser Meister! Ich leide und mache doch schon so viel für Familie und die Welt und nun soll ich freiwillig nachmehr leiden! Ah und ausserdem hab ich Knie!”

Sind wir etwas Besseres deswegen, weil wir simpel unserer überlieferten Praxis unserer Lehrer folgen. Sicher nicht! …. doch gibt es viele Menschen, die aus körperlichen oder geistigen Gründen nicht zu so einer Praxis in der Lage sind. Insofern können wir uns besonders glücklich schätzen, auf das Dharma gestossen zu sein und es sogar praktizieren zu können. Dafür sollten wir dankbar sein, aber sicher nicht stolz oder gar arrogant. Sondern “Normal”! Unsere Praxis ist es ja, sie immer während in Frage zu stellen, da wäre kein Platz für besser oder höher. Auf der anderen Seite befinden wir unsere Praxis nach Überprüfung für völlig korrekt, dann werden Lob und Tadel anderer ohne Bedeutung sein. Wir dürfen unseren Geist folglich nicht nach Aussen richten, müssen uns nicht fragen, was denken sie über uns? Und brauchen nicht nach Gewinn und Anerkennung streben.

“Nun kommt kein Schwein, keine Sau ruft mich an”…. soll man in Sanko-ji diese uralte Praxis aufweichen, soll man sich anpassen an den Wandel der Gesellschaft, den Bedürfnissen des modernen Menschen?` …Der moderne Mensch an sich, wie ich ihn erlebe, ist sehr beschäftigt wieder in Kontakt mit seinen Gefühlen zu kommen und auf sich und seinen Körper zu hören. Die ist sicher gut. Doch er hat grosse Sorge um seine Zukunft bei gleichzeitiger maximaler Bedürfnisbefriedigung plus Personal Fitting. (Das bietet Zazen genau nicht!) Damit ist er vollends beschäftigt. Das eigene Erleben drängt in Vordergrund und so auch Ängste, die vielleicht nichts anderes sind als die Sorge, dass ich “meine” Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Gefühle als Ratgeber?! Gibt es in unserer Gesellschaft ein Recht auf Reisen, auf Party, gute Gefühle, die perfekte Nahrung… . Fragt man nach, warum möchtest du in die Ferien nach Griechenland fliegen, bekommt man die Antwort, weil ich es will, brauche, ich muss hier weg, ich habs verdient! Die meisten Menschen wissen nicht einmal, warum sie handeln. Ich hab Bock auf Party…so reden Kinder. Wie redet und handelt der spirituelle Erwachsene? Wissen wir nicht aus der Resilienzforschung, dass gerade das Meistern schwierigere Aufgaben hier und jetzt uns stark und glücklich machen!?

In einem Zengedicht heisst auch:

“Wer das “Hier” flieht, um das “Anderswo” zu finden, der brütet ohne Unterlass “morgen” aus. Anderswo existiert nicht”

“Stille Einkehr, heitere Einfachheit” heisst es im Shodoka. Kodo Sawaki schreibt dazu:

“Kein Geräusch erreicht die Person, die in rechter Haltung sitzt, bei der die Knie auf den Boden gedrückt sind. Die Menschen sind ständig am Machen. Sie benehmen sich, als würden von allen Seiten Feuerwerkskörper abgeschossen, als wüssten sie nicht wohin mit sich… “Ich habe keine Zeit… ich bin sehr beschäftigt… ich bin ausgelastet” ihr Kopf ist voller Widersprüche und sie nehmen sich nie die Zeit, das in Ordnung zu bringen. Je komplizierter die Welt wird, desto wichtiger wird es, sie zu vereinfachen, zu vereinen und ihre grundlegende Einheit wiederzuentdecken. …

…Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr und heitere Einfachheit. Sawaki isst, um Zazen zu machen, er schert sich das Haupt und trägt die okesa, um seinem Zazen mehr Kraft zu geben. Das ist alles. Er praktiziert Zazen und bringt andere dazu Zazen zu üben. Er besitzt nur einfache, unverzichtbare Dinge. der Rest ist nur Geschwätz, selbst wenn man ein Jahr oder Jahrhunderte drüber redet.”

Ja, aber …wird da mancher sagen, ich muss doch die Welt retten, Co2-Ausstoss, Menschenrechte, Trump-USA, Corona und v.a. Mitgefühl praktizieren, ich … und der hat gesagt und jener jenes, dass…!….ihr Kopf ist voller Widersprüche…was ist wirklich wichtig, ganz tief wichtig, essentiell in unserem Leben? Wer nimmt sich die Zeit dazu dies wirklich festzustellen?

Dogen sagt im Fukanzazengi: “Halte alle Bewegungen des bewussten Denkens an, stoppe die Funktion deiner Intelligenz, lass den Gedanken fallen. ein Buddha zu werden.”

Soll man also sich den Gegebenheiten der Gesellschaft, des Menschen anpassen…hier in Sanko-ji finden wir, dass wir hier das grosse Glück haben Zen und Naikan in seiner klassischen Form zu praktizieren weiter zu geben. Natürlich machen wir finanziellen Verlust, natürlich können wir nicht viele Jahre so weiter machen. Wir brauchen uns weder dem ökonomischen Druck und den Winden der Gesellschaft (Kodo Sawaki würde “Fürze” sagen, hahaha) beugen. Noch müssen wir nicht um euer Money betteln! So wie das Kesa wollen wir die Shikantazapraxis solange praktizieren und weitergeben bis wieder mehr Menschen in dieser Welt erscheinen, die das “verborgene Juwel” in Ihnen erkennen. Mein Wunsch wäre, dass mindestens eine Person Sanko-ji weiterführt. Niemand weiss dies aber….wir machen weiter so lange es geht…mit voller Energie und im tiefen Wissen….” Man braucht nur eine Sache im Kopf behalten: In der Stille jede Aufregung meidend, müssen wir unsere einzigartige und schlichte Mission erfüllen. Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr, heitere Gelassenheit.” Kodo Sawaki

Hahaha…das ist lustiger, besser, spannender und sinnvoller als du jemals denken könntest. Und das Staunen:”Das bin Ich!? und wie unbedeutend bin ich?! hört nie auf!

In diesem Sinne gutes Staunen auf eurem Weg!

Würde mich freuen mal wieder mit euch Körper an Körper, Geist an Geist zu praktizieren. “Den Vorgaben der staatlichen Covid 19 Regelungen wird hier bestmöglich gefolgt”

Herzlichst und in tiefen Gassho

Gyoriki


Newsletter Sanko-ji August

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis
 
 Hier die wichtigsten Infos zum August:
 
  • Vom 06.-09.08. findet das Spätsommersesshin im Sanshin-ji-Style statt. Gerne sind auch Gäste willkommen, die vielleicht nur einen Tag oder Halben Tag mitsitzen wollen. Stand jetzt sitz ich alleine. Ein Zazen weicht dem Samu – Kochen, Garten, etc. Gerne kann man ja auch parallel zum Sesshin zuhause mitsitzen.
  • Am 11.08. am morgen hat sich der SWR Landesschau mobil angemeldet. Ich werde mein bestes geben, damit die Zenklause positiv rüber kommt. Man weiss nie wer einen so anruft…:-). Sie drehen  eine Woche lang jeden Tag im Kleinen Wiesental an einem anderen Ort und am 11.8. bei uns. Die Filme werden als Einzelbeiträge (4min) unter der Woche KW 27 in der Landesschau BW (unsere Rubrik Mobil läuft immer so gegen 19:10 Uhr) und in einer halbstündigen Zusammenfassung aller Beiträge dann am Samstag von 18:15 bis 18:45 Uhr ausgestrahlt.
  • 10. -13.09. dann das Samuwochenende mit morgens und abends Zazen und Putzen, Hecken schneiden, ernten, Mulchen, instand setzen, wahrscheinlich auch im Zenkonyama. 
  • am 13.09. nachmittags dann unsere Vereinsjahreshauptversammlung
  • Ende Oktober dann die Naikanwoche geleitet von Suzan Mazumdar. Es hat noch Plätze frei.
 
Passend zum Naikan las ich in meinen Ferien in dem “Das Buch der Freude”, hier tauschen  sich die Friedensnoblepreisträger Desmond Tutu und Dalai Lama über “Freude” aus, das Kapitel “Vergebung – Sich von der Vergangenheit befreien”. (Das Buch kann ich insgesamt nur empfehlen, es macht Spass es zu  lesen und man darf auch noch von der Weisheit zwei grosser Männer profitieren, die gar nicht “gross” sein wollen.)

Man könnte  sagen “Naikan ist sich von der Vergangenheit befreien.” und dies geschieht durch den Akt der Vergebung. Die Vergebung ist der dritte Pfeiler des Naikan und die Befreiungstat, die uns letztendlich würdiger und freudiger weiterleben lässt.
Durch die Vergebung und möglicherweise auch Versöhnung können wir die Altlasten in den Beziehungen zu unseren wichtigsten Bezugspersonen fachgerecht entsorgen. Dies geschieht meist unwillkürlich innerhalb der Naikanwoche, in dem wir uns den drei Fragen offen und ehrlich stellen. Neben der Klarheit und der Akzeptanz  dessen was wirklich war (1. Pfeiler des Naikan), spielt natürlich auch der zweite Pfeiler Naikans, die Dankbarkeit, hierbei  eine wichtige Rolle. 

“ Im Gefängnis sitzen nicht unbedingt die schlimmsten Menschen ”

Durch Naikan können wir erkennen, dass die Tat und der Täter getrennt angeschaut werden sollten. In unserer westlichen Gesellschaft wird die böse Tat (Prügeln, Missbrauch) beispielsweise des Vaters oft gleichgesetzt mit die Person/ der Täter ist ein böser Mensch, ein schlechter Vater. Dem ist aber nicht so, kein Mensch ist durch und durch schlecht. Auf unserer Reise durch unsere persönlichen Vergangenheit mithilfe der drei Fragen erfahren wir, dass der Vater immer wieder etwas für uns getan hatte, dass er nicht immer prügelte, sondern beispielsweise nur im Suff. In dem Masse wie wir zwischen Tat und Täter einen Raum öffnen, können Hass und Wut und Scham entweichen. Natürlich nur, wenn wir dies wollen. Vergeben heisst nicht vergessen – die schreckliche Tat – er hatte uns regelmässig verprügelt – war geschehen, auch wenn sie lange her ist – dies ist eine Tatsache.

Im Buch der Freude sagt der Dalai Lama: “Wir müssen einen wichtigen Unterschied zwischen Tat und Täter machen. Bei der falschen Tat kann es notwendig sein, möglichst wirksame Gegenmassnahmen zu treffen, um sie zu beenden. Was den Täter betrifft, kann man sich jedoch dafür entscheiden, weder Wut noch Hass zu entwickeln. Darin besteht die Macht der Vergebung, die Menschlichkeit des Täters nicht aus den Augen verlieren, während man Unrecht mit Klarheit und Festigkeit entgegen tritt.”

Es heisst auch nicht, dass die Person nicht nach dem Strafgesetzbuch für ihre Taten verurteilt werden sollte. Sondern, kann ich der Person, die mir das Schlimme angetan hat vergeben? Kann ich erfahren, das dieser Mensch deswegen kein “Monster” ist. Kann ich erkennen, dass dieser Mensch vielleicht selber Opfer von Missbrauch, Gewalt war, dass er eine psychische Störung hatte oder einfach nur alkoholabhängig und dies ihn immer zu diesen Taten trieb. Kann ich erkennen, dass die Person nicht ‘sie selbst war’, als sie diese Taten tat?  Kann ich auf diesen Menschen zu gehen und ihm verzeihen und mich aussöhnen? Wenn ja, dann macht Vergebung unendlich stark. Ein neues Leben beginnt. Das unerträgliche Gefühl ohnmächtig und Opfer gewesen zu sein verschwindet.

“Vergebung ist die einzige Möglichkeit uns zu heilen und uns von der Vergangenheit zu befreien” Erzbischof Desmond Tutu

Bewundern wir nicht alle die Menschen, die ihren Peinigern, den Mördern  vergeben?  

Übrigens zeigten wissenschaftliche Studien das Unversöhnlichkeit krank macht und Vergebende tendenziell gesünder sind

Viel  Freude !
 
Gassho
Gyoriki

 


Newsletter Sanko-ji Juli

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis!

Schon wieder Sommer!
Erdbeeren, Himbeeren, Felsenbirne, Thaybeere, Maybeere, Stachelbeere, …
…Jostabeere, rote und schwarze Johannisbeere…was für ein Genuss!

Dazu die Düfte! Der Sound der Grillen, der Schwalben, das Summen der Insekten!
Warme Sonne auf der Haut! Und diese Lichtstimmungen vor oder nach dem Gewitter!

Der Sommer ist bei vielen Menschen wahrscheinlich deshalb so beliebt, da er die Sinne beschäftigt, ja förmlich reizt und deshalb ist er sicher auch für viele eine anstrengende Zeit. Die Naturkraft entwickelt ungeahnte Kräfte und alles wächst auf einmal, der Lanschaftspfleger kommt kaum hinterher mit dem Schneiden, Sensen, etc. und kann doch gleichzeitig schon alle Köstlichkeiten ernten. Und das alles unter einem blauen Himmel ohne Flugzeuge, infolge der Folgen des Lockdowns. (Ich habe ganz viele Fotos gemacht, denn in einem Jahr glaubt mir das keiner, so blau und still der Himmel).
Und gleichzeitig ringen in den Hotspots Menschen um ihr Leben, um ihr Auskommen,… und die Verfechter von “Corona ist ein Fake” um Gehör.

Es alles hat mehrere Sichtweisen!

Das Shodoka von Yoka Daishis beginnt frei übersetzt:
Man Alter, checkst du es nicht!?… Unglaublich! Okay, hör zu: Willst du glücklich sein, dann hör endlich auf rumzuhirnen und tu nicht so als seist du was Besonderes! Checkst du nicht das Gesetz des Universums! Hishiryo Alter! Denken ohne zu denken, jenseits vom Denken! Checkst!

Unser gewöhnliches Art des Denken, ist Sich Sorgen, grüblen, Probleme mit Nachdenken lösen. Das ist nichts schlimmes, so ist der Mensch! Wir möchten uns vom Grundsatz her, Sorgen und grübeln! Wir wollen uns unsere Zukunft vorstellen, den Urlaub planen oder über unseren Job, Chef aufregen. Alles ok, normal, aber die Wirklchkeit haben wir verloren! Das Jetzt, den Augenblick! Es gibt nicht so viele, die wirklich aufhören wollen, Sorgen, Grübeln, das kann auch nett sein, denn ich bin immer schön Opfer. Opfer bekommen Mitleid und ein bisschen Selbstmitleid tut manchmal auch gut. Täter dagegen sind unter Umständen Schuld, und wollen wir gerne schuld sein…aber das ist ein anderes Thema über das ich auch schon hier geschrieben habe. Wenn wir also an dem Punkt, wo das leiden nicht mehr lustvoll ist, sondern wirklich tiefes Leiden, das uns in den Abgrund zu werfen droht, dann sollten wir wissen, es gibt eine Alternative.

Wie gesagt, es ist auch nicht schlecht vorauszuplanen, wir müssen das ja, aber unheilsam wird es, wenn wir uns aufregen und wir nicht mehr mit dem -uns aufregen- aufhören können. Wenn wir dies zulange zu lassen, werden wir oft sogar physisch krank oder gar depressiv.

Durch Zazen können wir immer wieder ins “Jetzt” kommen, in die Wirklichkeit, durch Naikan können wir die Dinge ehrlicher sehen.
Aber das ist schwierig, ich kenne niemanden dem es immer gelingt, aber ein paar, die es oft schaffen.

Wie ich an dieser Stelle schon oft gesagt habe, im Zen geht es um “intensives” Leben, Full Power live! Buddhismus ist einfach Handeln, gegründet auf die Wirklichkeit des Seins und nicht auf ein egozentrisch gefärbtes Gedankensystem, genannt “Denken” – seien wir ehrlich, eigentlich dürfte man dies gar nicht Denken nennen.

Die in unserer Tradition übliche morgendliche Zazenpraxis, hilft uns auszusteigen und in die Wirklichkeit zu tauchen. Tun wir das nicht haben wir keine Chance zu verstehen, das unsere Praxis darin besteht, wie ich auf den wütenden Chef, das provozierende Kind reagiere oder wie ich die Himbeere pflücke.

Je nach dem in was für einer Lebenssituation stecken, reicht aber diese tägliche Praxis von Zazen nicht aus, um die Identifikation mit unserem “Denken” zu unterbrechen. Gleich nach dem Zazen auf der Arbeit oder in der Familie fängt “es” uns wieder ein.

So zieht sich der Wegübende seit Alters her ein paar mal im Jahr in Sesshins zurück, meist für 3-10 Tage, um sein ich, mit Kodo Sawaki ausgedrückt, in der Steinmühle zermahlen zu lassen. Als einer, der sich tagtäglich mit “Hüten des Feuers” beschäftigt und der im Winter, einige Öfen gleichzeitig zu versorgen hat, gefällt mir das Bild des Kaminofens mehr anstatt der Steinmühle.

Es empfiehlt sich im Winter den Ofen nie ausgehen zu lassen, wenn man zur Arbeit geht, denn aus verschiedenen Gründen kann es sehr lange dauern ihn wieder in ein stark wärmespendendes Monstrum zu verwandeln. Man reduziert dazu die Luftzufuhr, legt feuchtes Holz auf oder einen sehr dicken Scheit, oder Eiche, die eher glüht. Die Luftzufuhr muss sehr genau eingestellt werden, dass es nur in der richtigen Art und Weise glimmt. Das tägliche Zazen ist für mich das kurze Anfeuern, bevor ich nachlege, um es dann wieder einen Tag glimmen zu lassen.
Doch wenn ich diesen Prozess zulange wiederhole, dann entsteht mit der Zeit immer mehr Asche und es wird immer schwieriger, die Glut aufrecht zu erhalten. Deshalb ist es wichtig ab und zu den Ofen ordentlich durchzupusten und eine zeitlang richtig intensiv laufen zu lassen, mit dem richtigen Holz , z.B. mit Espe verschwinden sogar die Schlacken im Ofenrohr.

Ein Sesshin ist ein Feuer, in dem unser Ego ordentlich verbrennt. “Es muss brennen!”, sagen die alten Meister. Das Dojo, ein Sesshin, ist also kein Ort/Anlass an dem wir uns entspannen, ausruhen und dösen, sondern in dem unsere Illusionen verbrannt werden. Und das ist durchaus schmerzhaft. Wir müssen das Feuer dazu schüren, Sauerstoff zu führen, Asche/Schlacken (Muster) loswerden. Keiner der “Alten” hat jemals behauptet es sei nicht unangenehm, sein Ego in die Schranken zu weisen und Kontrolle über sein Denken herzustellen.

Den Ofen ordentlich schüren – das ist das Geheimnis Buddhas Lehre – Zazen:
Streckt eure Rückenmuskel! Zieht den Hintern nach oben! Drückt den Himmel mit eurem Kopf hoch! Eingeweide zurück, Brust raus!
Das ist normal! Lasst die Schultern fallen!
Wenn du so mit geschorenem Kopf und dem Okesa sitzt, kann keine neue Illusion eintreten! (Kodo Sawaki)

Die Haltung eines Buddhas einnehmen, das Kesa, das alle Dharmas umfasst, tragen, nur das hat schon eine grosse Wirkung, jeder der schon mal ein Sesshin gemacht hat, weiss das und ist trotz aller Irritationen, Schmerzen, in alle Ewigkeit tief berührt.

Nun können wir aber nicht die ganze Zeit im Sesshin sitzen, so bald wir damit aufhören, werden sich Risse in unserer Praxis auftuen und eine Flut menschlicher Leidenschaften können wieder auf uns einprasseln. Es sei denn, wir praktizieren das Zen in jeder unserer Handlungen, und das ist sehr schwierig, deshalb brauchen wir immer wieder die Morgenpraxis und ein Sesshin, um den Buddha in uns am Glimmen zu halten oder am Leuchten. Denn das ist auch buddhist. Prinzip, wir alle und alles ist Buddha, wir sind nur verblendet und diese Verblendung können durchbrechen.

Das Spätsommersesshin findet vom 06. – 09.08. statt.

Im September dann das Samuwochenende 10. -13.09., hier werden wir vor allem Sanko-ji pflegen, vielleicht auch noch das Aussendojo, Morgens und Abends Zazen, daneben Zeit zum Austauch, …

Am 13.09. am Nachmittag dann die Hauptversammlung des Vereins Sanko-ji e.V.

Ende Oktober dann das Naikan geleitet von der sehr erfahrenen Naikanleiterin und Ärztin Suzan Mazumdar.

Bitte für alle Veranstaltungen baldigst anmelden.

Einen wunderbaren, harmonischen Sommer euch!

Ganz herzlich und Gassho

Gyoriki


Newsletter Sanko-ji Mai

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis

In der Annahme, dass es euch allen gut geht, hier die neusten Infos.

Veranstaltungen:
+ Die Naikanwoche mit Prof. Akira Ishii und das Naikanleitertreffen mussten infolge der Unwägbarkeiten wegen des Lockdowns abgesagt werden.
+ Das Praxiswochenende über Christi Himmelfahrt wurde in ein Samusesshin umgewandelt, einmal um den Vorgaben der Lockdownverordnungen zu entsprechen und zum anderen, um mehr Zazenpraxis in diesen anstrengenden Zeiten – 4x zwei Stunden Zazen/pro Tag zu ermöglichen- , die Restzeit – Praxis im Alltag mit Gartenarbeit, Kochen, Putzen,….und einfach sein in dieser mirakolösen, schönen Natur.
+ Statt der Naikanwoche veranstalten wir nun ein Sommersesshin 02.07-05.07.2020 in der Hoffnung, dass im Juli wieder ein normaler Praxisbetrieb möglich ist, sonst mit reduzierter Teilnehmerzahl wie jetzt.
+ In Planung ist ein zusätzliches Samuwochenende im August/September initiiert durch die deutsche Sanshin-ji-Sangha.

Sanierung/Umbau/Dhana:
Die Finanzierung steht mehr oder weniger durch eine Aufstockung und Umschuldung der Hypothek. Ausserdem hat eine Person ein zinsloses Darlehen gegeben und ich bekam privat geliehenes Geld vor Stichtag zurückbezahlt. Vielen Dank schon einmal hier! Ein Termin steht noch nicht fest, da im Moment lange Lieferzeiten herrschen. Geplant ist Dach und Photovoltaik in einem “Aufwasch” zu machen, da so Gerüstkosten, etc. reduziert werden und den Termin so zu legen, dass ich Mithelfen kann. Euer Dhana kann weiterhin helfen. Uns ist natürlich bewusst, dass es ein sehr ungünstiger Zeitpunkt ist, um Spenden zu betteln. Viele haben gerade mit den negativen Auswirkungen des Lockdown zu tun. Der Aufruf richtet sich an die, die es nicht so trifft und/oder einfach gerne spenden.

Auswirkungen des Lockdown:
Eine weiterhin spannende Zeit, die uns die Impermanenz des Lebens deutlich macht. Vieles ist plötzlich in Frage gestellt, Ängste können sich vermehrt äussern, einiges unseres Tuns verliert plötzlich an Sinn, Reisen, Konsum, ein Zen/Naikanzentrum, … Wir sind mehr auf uns selbst zurückgeworfen. Ich denke es ist wichtig diese Schwierigkeiten als Chance zu sehen, unserem Leben mehr Sinn zu geben, uns zu hinterfragen – Was will ich eigentlich wirklich in diesem Leben? Was tut mir gut? Was täte der Welt gut? Wieso schwindet plötzlich mein Grundvertrauen? Was kann ich ändern?
Die Wissenschaft wird wichtiger in politischen Entscheidungen, Populisten/Verschwörungstheoretiker rüsten sich….
Es gibt viel zu diskutieren, philosophieren, nachzudenken, aber wie sagt eine Psychoanalytikerin letzthin in Scobel, möglichst nicht vor dem Frühstück und nicht nach 18.00 Uhr. Genau… vor dem Frühstück empfehle ich Zazen, nach 18.00 Uhr Frühlingsspaziergänge, Sport, Natur…
…denn so ein Filmtitel von R. Fassbinder “Angst essen Seele auf”;-)

Ganz herzliche Grüsse und tiefes Gassho!
Gyoriki


newsletter Sanko-ji April die 2te plus Bettelbrief

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis

Gehört ihr zu denen, denen die Corona-Krise ein wenig dolce farnierte bringt, oder Schwierigkeiten, Sorgen, Unsicherheiten, …? Bei mir ist es ein bisschen beides…

Am Wochenende wird das Frühlingssesshin stattfinden, bisher sind wir zu zweit. Wenn eine Person sich heute noch spontan entscheidet mit zu sitzen, so ist das noch möglich.

Das Praxiswochenende wird abgesagt, bisher keine Anmeldungen und da sich diese auch eher an Einsteiger richtet, auch nicht zu erwarten. Deshalb habe ich gedacht, es wäre besser stattdessen ein Samu-Sesshin zu versuchen.
Es wird 4x 2h Stunden Zazen pro Tag geben, daneben ist ausgiebig Zeit um die Unterhaltsarbeiten in Sanko-ji zu erledigen, als da sind vor allem die Anlagen rund ums Zentrum, die Permakultur- und Frühlingsputzarbeiten, wie Fensterputzen, etc. Die Natur wächst trotz Corona einfach weiter! -unglaublich! 🙂 Ja, es ist wunderschön hier oben – alles blüht, sogar schon Pfingstrosen und Akelei, die Beerensträucher sind voller Fruchtansätze und versprechen eine reiche Ernte, das Tal leuchtet im Maigrün. Die Himmelsgabe „Regen“ kam über Nacht, das lässt alles hoffen… doch man weiss nie was das Universum im nächsten Moment für einen bereit hält. Ich werde die Samu-Sesshinzeit nutzen Zazen zu praktizieren und Sanko-ji zu unterhalten. (Etwas unterhalten – gutes Wort finde ich und klingt amüsant und vielversprechend:-), wer unterhält hier wen?). Würde mich freuen mit anderen Personen zusammen zu sitzen und den Tempel zu unterhalten. Es ist grundsätzlich respektvoller für jeden Organisator, wenn man sich so früh wie möglich anmeldet.

Auch die Naikanwoche im Juni muss ich wahrscheinlich bald absagen, nur eine Anmeldung und es ist gar nicht sicher ob Ishii-san einreisen darf. Auch das Naikanleitertreffen werde ich dementsprechend absagen.
Diese Unsicherheiten und das ständige Umdenken, Reagieren, ermüden mich, da es auf der Arbeit bei mir auch so ist. Ich merke wie wohltuend Routine sein kann, doch Routine und Lebendigkeit schliessen sich eigentlich aus. Mein Lehrer Shohaku Okumura hat gleich nach seiner Rückkehr aus Europa den Tempel bis August geschlossen und die Devise rausgegeben Rückzug und Selbstreflexion. Im Moment sehne ich mich oft gerade nach diesem, doch habe ich mich gerade zu Beginn entschieden, das Maximum an Praxis, das geht, möglich zu machen, aber es ist herausfordernd. Anstatt eine Naikanwoche werde ich höchstwahrscheinlich ein Sesshin möglich machen, denn das ist einfacher zu organisieren.

Ihr fehlt – das vermehrte alleine praktizieren in der Abgeschiedenheit führt zu mehr Denken, es ist das was Kodo Sawaki mit „Das Leid/Schmerz nimmt zu“ ausdrückte. Kodo Sawaki zog sich drei Jahre in eine Einsiedelei zurück um sehr streng zu praktizieren, auf die Frage was sich durch das Alleine praktizieren, ändere, antwortete er so. Auf den ersten Blick, ist es also schwieriger zu praktizieren, auf der anderen Seite, weiss der Zenpraktizierende, das dies nur neue Dharmatore sind, gewissen Dinge/Gewohnheiten stellen sich als Illusion heraus. Neue Realitäten erscheinen. Wenn wir „Sabai“ praktizieren, ein thailändischer Begriff, der eine Lebensart beschreibt, alle zu bewältigenden Dinge mit Entspanntheit, Grossmut, Gelassenheit, einem Lächeln anzugehen und ohne Stress mit viel Geduld, das zu tun, was ansteht. Fleissig wie die Bienen, aber ohne Stress, Burn out.
Für Sanko-ji heisst es, was auch immer passiert, ob Menschen kommen, ob es sauber und gepflegt ist oder nicht, es wird einfach unter den gegebenen Umständen praktiziert. Wir nehmen es so wie es ist, es gibt keine Vorgaben unter welchen Bedingungen zu praktizieren ist. Zuhause alleine, in Sanko-ji alleine, ….dennoch haben die „Alten“ ein einfaches Haus in der Abgeschiedenheit und Schönheit der Natur bevorzugt, aber es konnte eine armselige Hütte mit undichten Dach wie hier sein oder eine Höhle. Ein gesundes Leben in der Natur, mit viel Bewegung, Zazen inmitten des morgendlichen Vogelkonzerts, der Stimme des Tals, des Regens ist einfach eine ewige Quelle, wir sind ein bisschen mehr in Kontakt mit dem „Grossen“, die Praxis etwas „wirklicher” und können von unserer Umgebung Lernen.

Während der winterlichen Regen/Sturmzeit hat es leider in den einzigen noch nicht sanierten Flügel des Hauses reingeregnet, dort wo mein Schlafzimmer ist. Als Sturm und Regen einmal nachliessen, staunte ich beim Nachschauen auf dem Dach nicht schlecht, eins ganzer Sparren plus Dachlatte war weggefault. Der hinzugezogener Dachdecker meinte, …”das muss schon mehr als 20 Jahren reinregnen, sonst fault nicht ein ganzer Balken weg.” Das sind die Überraschungen, die das Leben ständig für uns bereit hält, ihr kennt das.
Und ihr wisst auch was zu tun ist, so etwas kann man nicht ignorieren, dies muss vor dem nächsten Winter erledigt werden, denn mit viel Schnee und Sturm würde das Dach einbrechen, …. da muss man einfach handeln,…

…anders ist es mit der Photovoltaikanlage, die ich diesen Sommer installieren lassen wollte. Dies ist ein „Zückerl“ wie die Alemannen sagen. Nach Dachschaden und Corona-Krise dachte ich zunächst, das Projekt fallen zu lassen, doch nun bin ich anderer Meinung:

– Die Photovoltaikanlage soll Sanko-ji mit ausreichend ökologischen Strom versorgen
– Sanko-ji wäre durch Photovoltaik theoretisch vollkommen autark und das war der Sinn vieler Zen-Tempel seit der Zeit von Hyakujo bis heute und hat sehr zum Wachstum/Überleben der Zenlinie beigetragen. Katagiris Tempel in den USA, das Pioneer Valley Zendo/USA und das neue Antai-ji/Japan u.v.m. sind Beispiele der Neuzeit, warum Zenlehrer entscheiden in der Natur ein einfaches, natürliches Praxisleben möglich zu machen. Warum dies sehr wichtig für den Zen-Buddhismus ist und war, habe ich schon einmal versucht darzulegen. Stichworte wie Unabhängigkeit, Freiheit, Anerkennung von Aussen, Konsumverzicht, die Vorteile des einfachen Lebens in so einer Institution, das Bewahren und weitergeben des Wissen wie man mit der Natur unabhängig von Konsum leben kann und autark sein kann, ein Leben mit und für die Natur, ora et labora, Gleichwertigkeit von Körper und Geist sprechen sehr dafür
– ein Zeichen setzen, denn hier im Tal engagieren wir uns gegen Windkraftgrossanlagen und die Zerstörung der Natur, mit Photovoltaik würde Sanko-ji eine andere ökologische Richtung aufzeigen – nicht nur dagegen sein., Wenn alle Häuser im Tal Solarenergien erzeugen würden, wären die Windkraftanlagen der Grossinvestoren überflüssig. Es würde die Dezentralisierung der Stromproduktion fördern.
– ein Zeichen setzen in Zusammenhang mit Rezession, gerade jetzt in die ökologischere Zukunft investieren, als auf seinem Geld hocken bleiben und auf bessere Zeiten hoffen. Wer weiss, was kommt? Inflation, Deflation, Rezession, Aufschwung, gesicherte Renten, Krankheit, Gesundheit, Tod? Man weiss nie, was…

Die Kosten für alles belaufen sich auf ca. 40000 €, Sanko-ji hat momentan keine Einnahmen, falls ihr das eine sinnvolle Idee findet, könnt ihr gerne unter dem Stichwort „Sonne“ Spenden, jeder € ist willkommen. Der Vorstand wird demnächst entscheiden, ob er trotz der sehr geringen Einnahmen in diesem Halbjahr, ausnahmsweise die volle Miete aus den Rücklagen zahlt, so dass ich diese in die PVA/Dachsanierung investieren kann.

Danke für eure Praxis und Sabai!!

Herzlich und Gassho

Gyoriki