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Newsletter Sanko-ji e.V. Oktober

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-ji!

Schlagartig änderte sich am Wochenende das Wetter von Hochsommer zu Herbst. Es stürmte, schüttete und flockte…Schön zeigt uns die Natur immer wieder das Überraschende und Unerwartete! Immer wieder versuche ich meinen Alltag zu planen und möglichst viele der anstehende Dinge zu organisieren, dies alles obwohl ich aus der Arbeit mit Menschen und mit der Natur weiss, dass dieses Ansinnen unmöglich ist. Es ist schwer Mensch zu sein und Buddha:-).

Inzwischen wurde der Beitrag über Gyoriki in der Zenklause ausgestrahlt. Dem SWR und seinem Team ist es nicht so schlecht gelungen, ein kleines unterhaltsames Filmchen (ca. 6 min) im Vorabendprogramm zu lancieren. Ihr könnt es auf der Homepage anschauen oder unten der YouTube-link.

Direkte Resonanz darauf gab es in sofern, dass eines Tages ein paar Zabutons, Zafus, Sitzbänke vor der Tür lagen. Danke dem Spender. Wer etwas davon brauchen kann, bitte melden.

Die Bauarbeiten auf dem Dach stocken leider aufgrund betriebsbedingter Gründe (Krankheiten) und mangelnder Planung (Dachfenster landesweit ausverkauft)… das Dach nur notdürftig gesichert. Sehr spannend die Zazenmatinee am Samstag, die ich, wie sooft in diesen Zeiten, alleine sass, inmitten von Sturm und kräftigem Starkregen und der Sorge um Haus und Dach. Sieben Stunden “Einfach sein” im tosenden Lärm des Regens und Windes, der flatternden Plane, inmitten … mit allem was da zu gehört…in und ausserhalb des Geistes, Körpers … unbeweglich zumindest in der Haltung:-)…sehr gute Übung! Diese Übung wird wohl noch länger gehen…schön!

Der Herbst mit schlechtem Wetter lässt hier oben im Schwarzwald alle mehr zur Ruhe kommen. Der jahreszeitliche, natürliche Rhythmus bedingt dies, …mehr Dunkelheit, am Ofen sitzen, Zeit zum Lesen und Schreiben haben, die Quitten noch zur rechten Zeit einkochen, Steinpilzzeit, Nüsse sammeln und trockenen, der nun wieder stille Wald nimmt mit viel Geduld den Lärm des Holzarbeiters an und entzückt ihn mit schönen Stimmungen, wie nur der Herbst das kann…. Ich möchte die Jahreszeiten nicht missen.

Die nächste Veranstaltungen hier in der Zenklause sind das Naikan im Oktober/November im Anschluss dann der “Höhepunkt” des Sesshinjahres – das Rohatsu!

Eine Anmeldung zeigt, diese Jahr werde ich nicht alleine sitzen. Rohatsu… Totales Sitzen, totale Entspannung…über alles hinausgehend.. total Buddha!

Viele denken: 14 Stunden/Tag sitzen, das ist extrem! Besser ich geh zu denen, da hab ich ein Einzelzimmer, da kann ich mich austauschen, mich erholen. Die haben Buffet, da ist ein grosser Meister! Ich leide und mache doch schon so viel für Familie und die Welt und nun soll ich freiwillig nachmehr leiden! Ah und ausserdem hab ich Knie!”

Sind wir etwas Besseres deswegen, weil wir simpel unserer überlieferten Praxis unserer Lehrer folgen. Sicher nicht! …. doch gibt es viele Menschen, die aus körperlichen oder geistigen Gründen nicht zu so einer Praxis in der Lage sind. Insofern können wir uns besonders glücklich schätzen, auf das Dharma gestossen zu sein und es sogar praktizieren zu können. Dafür sollten wir dankbar sein, aber sicher nicht stolz oder gar arrogant. Sondern “Normal”! Unsere Praxis ist es ja, sie immer während in Frage zu stellen, da wäre kein Platz für besser oder höher. Auf der anderen Seite befinden wir unsere Praxis nach Überprüfung für völlig korrekt, dann werden Lob und Tadel anderer ohne Bedeutung sein. Wir dürfen unseren Geist folglich nicht nach Aussen richten, müssen uns nicht fragen, was denken sie über uns? Und brauchen nicht nach Gewinn und Anerkennung streben.

“Nun kommt kein Schwein, keine Sau ruft mich an”…. soll man in Sanko-ji diese uralte Praxis aufweichen, soll man sich anpassen an den Wandel der Gesellschaft, den Bedürfnissen des modernen Menschen?` …Der moderne Mensch an sich, wie ich ihn erlebe, ist sehr beschäftigt wieder in Kontakt mit seinen Gefühlen zu kommen und auf sich und seinen Körper zu hören. Die ist sicher gut. Doch er hat grosse Sorge um seine Zukunft bei gleichzeitiger maximaler Bedürfnisbefriedigung plus Personal Fitting. (Das bietet Zazen genau nicht!) Damit ist er vollends beschäftigt. Das eigene Erleben drängt in Vordergrund und so auch Ängste, die vielleicht nichts anderes sind als die Sorge, dass ich “meine” Bedürfnisse nicht befriedigen kann. Gefühle als Ratgeber?! Gibt es in unserer Gesellschaft ein Recht auf Reisen, auf Party, gute Gefühle, die perfekte Nahrung… . Fragt man nach, warum möchtest du in die Ferien nach Griechenland fliegen, bekommt man die Antwort, weil ich es will, brauche, ich muss hier weg, ich habs verdient! Die meisten Menschen wissen nicht einmal, warum sie handeln. Ich hab Bock auf Party…so reden Kinder. Wie redet und handelt der spirituelle Erwachsene? Wissen wir nicht aus der Resilienzforschung, dass gerade das Meistern schwierigere Aufgaben hier und jetzt uns stark und glücklich machen!?

In einem Zengedicht heisst auch:

“Wer das “Hier” flieht, um das “Anderswo” zu finden, der brütet ohne Unterlass “morgen” aus. Anderswo existiert nicht”

“Stille Einkehr, heitere Einfachheit” heisst es im Shodoka. Kodo Sawaki schreibt dazu:

“Kein Geräusch erreicht die Person, die in rechter Haltung sitzt, bei der die Knie auf den Boden gedrückt sind. Die Menschen sind ständig am Machen. Sie benehmen sich, als würden von allen Seiten Feuerwerkskörper abgeschossen, als wüssten sie nicht wohin mit sich… “Ich habe keine Zeit… ich bin sehr beschäftigt… ich bin ausgelastet” ihr Kopf ist voller Widersprüche und sie nehmen sich nie die Zeit, das in Ordnung zu bringen. Je komplizierter die Welt wird, desto wichtiger wird es, sie zu vereinfachen, zu vereinen und ihre grundlegende Einheit wiederzuentdecken. …

…Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr und heitere Einfachheit. Sawaki isst, um Zazen zu machen, er schert sich das Haupt und trägt die okesa, um seinem Zazen mehr Kraft zu geben. Das ist alles. Er praktiziert Zazen und bringt andere dazu Zazen zu üben. Er besitzt nur einfache, unverzichtbare Dinge. der Rest ist nur Geschwätz, selbst wenn man ein Jahr oder Jahrhunderte drüber redet.”

Ja, aber …wird da mancher sagen, ich muss doch die Welt retten, Co2-Ausstoss, Menschenrechte, Trump-USA, Corona und v.a. Mitgefühl praktizieren, ich … und der hat gesagt und jener jenes, dass…!….ihr Kopf ist voller Widersprüche…was ist wirklich wichtig, ganz tief wichtig, essentiell in unserem Leben? Wer nimmt sich die Zeit dazu dies wirklich festzustellen?

Dogen sagt im Fukanzazengi: “Halte alle Bewegungen des bewussten Denkens an, stoppe die Funktion deiner Intelligenz, lass den Gedanken fallen. ein Buddha zu werden.”

Soll man also sich den Gegebenheiten der Gesellschaft, des Menschen anpassen…hier in Sanko-ji finden wir, dass wir hier das grosse Glück haben Zen und Naikan in seiner klassischen Form zu praktizieren weiter zu geben. Natürlich machen wir finanziellen Verlust, natürlich können wir nicht viele Jahre so weiter machen. Wir brauchen uns weder dem ökonomischen Druck und den Winden der Gesellschaft (Kodo Sawaki würde “Fürze” sagen, hahaha) beugen. Noch müssen wir nicht um euer Money betteln! So wie das Kesa wollen wir die Shikantazapraxis solange praktizieren und weitergeben bis wieder mehr Menschen in dieser Welt erscheinen, die das “verborgene Juwel” in Ihnen erkennen. Mein Wunsch wäre, dass mindestens eine Person Sanko-ji weiterführt. Niemand weiss dies aber….wir machen weiter so lange es geht…mit voller Energie und im tiefen Wissen….” Man braucht nur eine Sache im Kopf behalten: In der Stille jede Aufregung meidend, müssen wir unsere einzigartige und schlichte Mission erfüllen. Ich sitze friedlich und sorglos in meiner bescheidenen Bleibe. Stille Einkehr, heitere Gelassenheit.” Kodo Sawaki

Hahaha…das ist lustiger, besser, spannender und sinnvoller als du jemals denken könntest. Und das Staunen:”Das bin Ich!? und wie unbedeutend bin ich?! hört nie auf!

In diesem Sinne gutes Staunen auf eurem Weg!

Würde mich freuen mal wieder mit euch Körper an Körper, Geist an Geist zu praktizieren. “Den Vorgaben der staatlichen Covid 19 Regelungen wird hier bestmöglich gefolgt”

Herzlichst und in tiefen Gassho

Gyoriki


Newsletter Sanko-ji August

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis
 
 Hier die wichtigsten Infos zum August:
 
  • Vom 06.-09.08. findet das Spätsommersesshin im Sanshin-ji-Style statt. Gerne sind auch Gäste willkommen, die vielleicht nur einen Tag oder Halben Tag mitsitzen wollen. Stand jetzt sitz ich alleine. Ein Zazen weicht dem Samu – Kochen, Garten, etc. Gerne kann man ja auch parallel zum Sesshin zuhause mitsitzen.
  • Am 11.08. am morgen hat sich der SWR Landesschau mobil angemeldet. Ich werde mein bestes geben, damit die Zenklause positiv rüber kommt. Man weiss nie wer einen so anruft…:-). Sie drehen  eine Woche lang jeden Tag im Kleinen Wiesental an einem anderen Ort und am 11.8. bei uns. Die Filme werden als Einzelbeiträge (4min) unter der Woche KW 27 in der Landesschau BW (unsere Rubrik Mobil läuft immer so gegen 19:10 Uhr) und in einer halbstündigen Zusammenfassung aller Beiträge dann am Samstag von 18:15 bis 18:45 Uhr ausgestrahlt.
  • 10. -13.09. dann das Samuwochenende mit morgens und abends Zazen und Putzen, Hecken schneiden, ernten, Mulchen, instand setzen, wahrscheinlich auch im Zenkonyama. 
  • am 13.09. nachmittags dann unsere Vereinsjahreshauptversammlung
  • Ende Oktober dann die Naikanwoche geleitet von Suzan Mazumdar. Es hat noch Plätze frei.
 
Passend zum Naikan las ich in meinen Ferien in dem “Das Buch der Freude”, hier tauschen  sich die Friedensnoblepreisträger Desmond Tutu und Dalai Lama über “Freude” aus, das Kapitel “Vergebung – Sich von der Vergangenheit befreien”. (Das Buch kann ich insgesamt nur empfehlen, es macht Spass es zu  lesen und man darf auch noch von der Weisheit zwei grosser Männer profitieren, die gar nicht “gross” sein wollen.)

Man könnte  sagen “Naikan ist sich von der Vergangenheit befreien.” und dies geschieht durch den Akt der Vergebung. Die Vergebung ist der dritte Pfeiler des Naikan und die Befreiungstat, die uns letztendlich würdiger und freudiger weiterleben lässt.
Durch die Vergebung und möglicherweise auch Versöhnung können wir die Altlasten in den Beziehungen zu unseren wichtigsten Bezugspersonen fachgerecht entsorgen. Dies geschieht meist unwillkürlich innerhalb der Naikanwoche, in dem wir uns den drei Fragen offen und ehrlich stellen. Neben der Klarheit und der Akzeptanz  dessen was wirklich war (1. Pfeiler des Naikan), spielt natürlich auch der zweite Pfeiler Naikans, die Dankbarkeit, hierbei  eine wichtige Rolle. 

“ Im Gefängnis sitzen nicht unbedingt die schlimmsten Menschen ”

Durch Naikan können wir erkennen, dass die Tat und der Täter getrennt angeschaut werden sollten. In unserer westlichen Gesellschaft wird die böse Tat (Prügeln, Missbrauch) beispielsweise des Vaters oft gleichgesetzt mit die Person/ der Täter ist ein böser Mensch, ein schlechter Vater. Dem ist aber nicht so, kein Mensch ist durch und durch schlecht. Auf unserer Reise durch unsere persönlichen Vergangenheit mithilfe der drei Fragen erfahren wir, dass der Vater immer wieder etwas für uns getan hatte, dass er nicht immer prügelte, sondern beispielsweise nur im Suff. In dem Masse wie wir zwischen Tat und Täter einen Raum öffnen, können Hass und Wut und Scham entweichen. Natürlich nur, wenn wir dies wollen. Vergeben heisst nicht vergessen – die schreckliche Tat – er hatte uns regelmässig verprügelt – war geschehen, auch wenn sie lange her ist – dies ist eine Tatsache.

Im Buch der Freude sagt der Dalai Lama: “Wir müssen einen wichtigen Unterschied zwischen Tat und Täter machen. Bei der falschen Tat kann es notwendig sein, möglichst wirksame Gegenmassnahmen zu treffen, um sie zu beenden. Was den Täter betrifft, kann man sich jedoch dafür entscheiden, weder Wut noch Hass zu entwickeln. Darin besteht die Macht der Vergebung, die Menschlichkeit des Täters nicht aus den Augen verlieren, während man Unrecht mit Klarheit und Festigkeit entgegen tritt.”

Es heisst auch nicht, dass die Person nicht nach dem Strafgesetzbuch für ihre Taten verurteilt werden sollte. Sondern, kann ich der Person, die mir das Schlimme angetan hat vergeben? Kann ich erfahren, das dieser Mensch deswegen kein “Monster” ist. Kann ich erkennen, dass dieser Mensch vielleicht selber Opfer von Missbrauch, Gewalt war, dass er eine psychische Störung hatte oder einfach nur alkoholabhängig und dies ihn immer zu diesen Taten trieb. Kann ich erkennen, dass die Person nicht ‘sie selbst war’, als sie diese Taten tat?  Kann ich auf diesen Menschen zu gehen und ihm verzeihen und mich aussöhnen? Wenn ja, dann macht Vergebung unendlich stark. Ein neues Leben beginnt. Das unerträgliche Gefühl ohnmächtig und Opfer gewesen zu sein verschwindet.

“Vergebung ist die einzige Möglichkeit uns zu heilen und uns von der Vergangenheit zu befreien” Erzbischof Desmond Tutu

Bewundern wir nicht alle die Menschen, die ihren Peinigern, den Mördern  vergeben?  

Übrigens zeigten wissenschaftliche Studien das Unversöhnlichkeit krank macht und Vergebende tendenziell gesünder sind

Viel  Freude !
 
Gassho
Gyoriki

 


Newsletter Sanko-ji Juli

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis!

Schon wieder Sommer!
Erdbeeren, Himbeeren, Felsenbirne, Thaybeere, Maybeere, Stachelbeere, …
…Jostabeere, rote und schwarze Johannisbeere…was für ein Genuss!

Dazu die Düfte! Der Sound der Grillen, der Schwalben, das Summen der Insekten!
Warme Sonne auf der Haut! Und diese Lichtstimmungen vor oder nach dem Gewitter!

Der Sommer ist bei vielen Menschen wahrscheinlich deshalb so beliebt, da er die Sinne beschäftigt, ja förmlich reizt und deshalb ist er sicher auch für viele eine anstrengende Zeit. Die Naturkraft entwickelt ungeahnte Kräfte und alles wächst auf einmal, der Lanschaftspfleger kommt kaum hinterher mit dem Schneiden, Sensen, etc. und kann doch gleichzeitig schon alle Köstlichkeiten ernten. Und das alles unter einem blauen Himmel ohne Flugzeuge, infolge der Folgen des Lockdowns. (Ich habe ganz viele Fotos gemacht, denn in einem Jahr glaubt mir das keiner, so blau und still der Himmel).
Und gleichzeitig ringen in den Hotspots Menschen um ihr Leben, um ihr Auskommen,… und die Verfechter von “Corona ist ein Fake” um Gehör.

Es alles hat mehrere Sichtweisen!

Das Shodoka von Yoka Daishis beginnt frei übersetzt:
Man Alter, checkst du es nicht!?… Unglaublich! Okay, hör zu: Willst du glücklich sein, dann hör endlich auf rumzuhirnen und tu nicht so als seist du was Besonderes! Checkst du nicht das Gesetz des Universums! Hishiryo Alter! Denken ohne zu denken, jenseits vom Denken! Checkst!

Unser gewöhnliches Art des Denken, ist Sich Sorgen, grüblen, Probleme mit Nachdenken lösen. Das ist nichts schlimmes, so ist der Mensch! Wir möchten uns vom Grundsatz her, Sorgen und grübeln! Wir wollen uns unsere Zukunft vorstellen, den Urlaub planen oder über unseren Job, Chef aufregen. Alles ok, normal, aber die Wirklchkeit haben wir verloren! Das Jetzt, den Augenblick! Es gibt nicht so viele, die wirklich aufhören wollen, Sorgen, Grübeln, das kann auch nett sein, denn ich bin immer schön Opfer. Opfer bekommen Mitleid und ein bisschen Selbstmitleid tut manchmal auch gut. Täter dagegen sind unter Umständen Schuld, und wollen wir gerne schuld sein…aber das ist ein anderes Thema über das ich auch schon hier geschrieben habe. Wenn wir also an dem Punkt, wo das leiden nicht mehr lustvoll ist, sondern wirklich tiefes Leiden, das uns in den Abgrund zu werfen droht, dann sollten wir wissen, es gibt eine Alternative.

Wie gesagt, es ist auch nicht schlecht vorauszuplanen, wir müssen das ja, aber unheilsam wird es, wenn wir uns aufregen und wir nicht mehr mit dem -uns aufregen- aufhören können. Wenn wir dies zulange zu lassen, werden wir oft sogar physisch krank oder gar depressiv.

Durch Zazen können wir immer wieder ins “Jetzt” kommen, in die Wirklichkeit, durch Naikan können wir die Dinge ehrlicher sehen.
Aber das ist schwierig, ich kenne niemanden dem es immer gelingt, aber ein paar, die es oft schaffen.

Wie ich an dieser Stelle schon oft gesagt habe, im Zen geht es um “intensives” Leben, Full Power live! Buddhismus ist einfach Handeln, gegründet auf die Wirklichkeit des Seins und nicht auf ein egozentrisch gefärbtes Gedankensystem, genannt “Denken” – seien wir ehrlich, eigentlich dürfte man dies gar nicht Denken nennen.

Die in unserer Tradition übliche morgendliche Zazenpraxis, hilft uns auszusteigen und in die Wirklichkeit zu tauchen. Tun wir das nicht haben wir keine Chance zu verstehen, das unsere Praxis darin besteht, wie ich auf den wütenden Chef, das provozierende Kind reagiere oder wie ich die Himbeere pflücke.

Je nach dem in was für einer Lebenssituation stecken, reicht aber diese tägliche Praxis von Zazen nicht aus, um die Identifikation mit unserem “Denken” zu unterbrechen. Gleich nach dem Zazen auf der Arbeit oder in der Familie fängt “es” uns wieder ein.

So zieht sich der Wegübende seit Alters her ein paar mal im Jahr in Sesshins zurück, meist für 3-10 Tage, um sein ich, mit Kodo Sawaki ausgedrückt, in der Steinmühle zermahlen zu lassen. Als einer, der sich tagtäglich mit “Hüten des Feuers” beschäftigt und der im Winter, einige Öfen gleichzeitig zu versorgen hat, gefällt mir das Bild des Kaminofens mehr anstatt der Steinmühle.

Es empfiehlt sich im Winter den Ofen nie ausgehen zu lassen, wenn man zur Arbeit geht, denn aus verschiedenen Gründen kann es sehr lange dauern ihn wieder in ein stark wärmespendendes Monstrum zu verwandeln. Man reduziert dazu die Luftzufuhr, legt feuchtes Holz auf oder einen sehr dicken Scheit, oder Eiche, die eher glüht. Die Luftzufuhr muss sehr genau eingestellt werden, dass es nur in der richtigen Art und Weise glimmt. Das tägliche Zazen ist für mich das kurze Anfeuern, bevor ich nachlege, um es dann wieder einen Tag glimmen zu lassen.
Doch wenn ich diesen Prozess zulange wiederhole, dann entsteht mit der Zeit immer mehr Asche und es wird immer schwieriger, die Glut aufrecht zu erhalten. Deshalb ist es wichtig ab und zu den Ofen ordentlich durchzupusten und eine zeitlang richtig intensiv laufen zu lassen, mit dem richtigen Holz , z.B. mit Espe verschwinden sogar die Schlacken im Ofenrohr.

Ein Sesshin ist ein Feuer, in dem unser Ego ordentlich verbrennt. “Es muss brennen!”, sagen die alten Meister. Das Dojo, ein Sesshin, ist also kein Ort/Anlass an dem wir uns entspannen, ausruhen und dösen, sondern in dem unsere Illusionen verbrannt werden. Und das ist durchaus schmerzhaft. Wir müssen das Feuer dazu schüren, Sauerstoff zu führen, Asche/Schlacken (Muster) loswerden. Keiner der “Alten” hat jemals behauptet es sei nicht unangenehm, sein Ego in die Schranken zu weisen und Kontrolle über sein Denken herzustellen.

Den Ofen ordentlich schüren – das ist das Geheimnis Buddhas Lehre – Zazen:
Streckt eure Rückenmuskel! Zieht den Hintern nach oben! Drückt den Himmel mit eurem Kopf hoch! Eingeweide zurück, Brust raus!
Das ist normal! Lasst die Schultern fallen!
Wenn du so mit geschorenem Kopf und dem Okesa sitzt, kann keine neue Illusion eintreten! (Kodo Sawaki)

Die Haltung eines Buddhas einnehmen, das Kesa, das alle Dharmas umfasst, tragen, nur das hat schon eine grosse Wirkung, jeder der schon mal ein Sesshin gemacht hat, weiss das und ist trotz aller Irritationen, Schmerzen, in alle Ewigkeit tief berührt.

Nun können wir aber nicht die ganze Zeit im Sesshin sitzen, so bald wir damit aufhören, werden sich Risse in unserer Praxis auftuen und eine Flut menschlicher Leidenschaften können wieder auf uns einprasseln. Es sei denn, wir praktizieren das Zen in jeder unserer Handlungen, und das ist sehr schwierig, deshalb brauchen wir immer wieder die Morgenpraxis und ein Sesshin, um den Buddha in uns am Glimmen zu halten oder am Leuchten. Denn das ist auch buddhist. Prinzip, wir alle und alles ist Buddha, wir sind nur verblendet und diese Verblendung können durchbrechen.

Das Spätsommersesshin findet vom 06. – 09.08. statt.

Im September dann das Samuwochenende 10. -13.09., hier werden wir vor allem Sanko-ji pflegen, vielleicht auch noch das Aussendojo, Morgens und Abends Zazen, daneben Zeit zum Austauch, …

Am 13.09. am Nachmittag dann die Hauptversammlung des Vereins Sanko-ji e.V.

Ende Oktober dann das Naikan geleitet von der sehr erfahrenen Naikanleiterin und Ärztin Suzan Mazumdar.

Bitte für alle Veranstaltungen baldigst anmelden.

Einen wunderbaren, harmonischen Sommer euch!

Ganz herzlich und Gassho

Gyoriki


Newsletter Sanko-ji Mai

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis

In der Annahme, dass es euch allen gut geht, hier die neusten Infos.

Veranstaltungen:
+ Die Naikanwoche mit Prof. Akira Ishii und das Naikanleitertreffen mussten infolge der Unwägbarkeiten wegen des Lockdowns abgesagt werden.
+ Das Praxiswochenende über Christi Himmelfahrt wurde in ein Samusesshin umgewandelt, einmal um den Vorgaben der Lockdownverordnungen zu entsprechen und zum anderen, um mehr Zazenpraxis in diesen anstrengenden Zeiten – 4x zwei Stunden Zazen/pro Tag zu ermöglichen- , die Restzeit – Praxis im Alltag mit Gartenarbeit, Kochen, Putzen,….und einfach sein in dieser mirakolösen, schönen Natur.
+ Statt der Naikanwoche veranstalten wir nun ein Sommersesshin 02.07-05.07.2020 in der Hoffnung, dass im Juli wieder ein normaler Praxisbetrieb möglich ist, sonst mit reduzierter Teilnehmerzahl wie jetzt.
+ In Planung ist ein zusätzliches Samuwochenende im August/September initiiert durch die deutsche Sanshin-ji-Sangha.

Sanierung/Umbau/Dhana:
Die Finanzierung steht mehr oder weniger durch eine Aufstockung und Umschuldung der Hypothek. Ausserdem hat eine Person ein zinsloses Darlehen gegeben und ich bekam privat geliehenes Geld vor Stichtag zurückbezahlt. Vielen Dank schon einmal hier! Ein Termin steht noch nicht fest, da im Moment lange Lieferzeiten herrschen. Geplant ist Dach und Photovoltaik in einem “Aufwasch” zu machen, da so Gerüstkosten, etc. reduziert werden und den Termin so zu legen, dass ich Mithelfen kann. Euer Dhana kann weiterhin helfen. Uns ist natürlich bewusst, dass es ein sehr ungünstiger Zeitpunkt ist, um Spenden zu betteln. Viele haben gerade mit den negativen Auswirkungen des Lockdown zu tun. Der Aufruf richtet sich an die, die es nicht so trifft und/oder einfach gerne spenden.

Auswirkungen des Lockdown:
Eine weiterhin spannende Zeit, die uns die Impermanenz des Lebens deutlich macht. Vieles ist plötzlich in Frage gestellt, Ängste können sich vermehrt äussern, einiges unseres Tuns verliert plötzlich an Sinn, Reisen, Konsum, ein Zen/Naikanzentrum, … Wir sind mehr auf uns selbst zurückgeworfen. Ich denke es ist wichtig diese Schwierigkeiten als Chance zu sehen, unserem Leben mehr Sinn zu geben, uns zu hinterfragen – Was will ich eigentlich wirklich in diesem Leben? Was tut mir gut? Was täte der Welt gut? Wieso schwindet plötzlich mein Grundvertrauen? Was kann ich ändern?
Die Wissenschaft wird wichtiger in politischen Entscheidungen, Populisten/Verschwörungstheoretiker rüsten sich….
Es gibt viel zu diskutieren, philosophieren, nachzudenken, aber wie sagt eine Psychoanalytikerin letzthin in Scobel, möglichst nicht vor dem Frühstück und nicht nach 18.00 Uhr. Genau… vor dem Frühstück empfehle ich Zazen, nach 18.00 Uhr Frühlingsspaziergänge, Sport, Natur…
…denn so ein Filmtitel von R. Fassbinder “Angst essen Seele auf”;-)

Ganz herzliche Grüsse und tiefes Gassho!
Gyoriki


newsletter Sanko-ji April die 2te plus Bettelbrief

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis

Gehört ihr zu denen, denen die Corona-Krise ein wenig dolce farnierte bringt, oder Schwierigkeiten, Sorgen, Unsicherheiten, …? Bei mir ist es ein bisschen beides…

Am Wochenende wird das Frühlingssesshin stattfinden, bisher sind wir zu zweit. Wenn eine Person sich heute noch spontan entscheidet mit zu sitzen, so ist das noch möglich.

Das Praxiswochenende wird abgesagt, bisher keine Anmeldungen und da sich diese auch eher an Einsteiger richtet, auch nicht zu erwarten. Deshalb habe ich gedacht, es wäre besser stattdessen ein Samu-Sesshin zu versuchen.
Es wird 4x 2h Stunden Zazen pro Tag geben, daneben ist ausgiebig Zeit um die Unterhaltsarbeiten in Sanko-ji zu erledigen, als da sind vor allem die Anlagen rund ums Zentrum, die Permakultur- und Frühlingsputzarbeiten, wie Fensterputzen, etc. Die Natur wächst trotz Corona einfach weiter! -unglaublich! 🙂 Ja, es ist wunderschön hier oben – alles blüht, sogar schon Pfingstrosen und Akelei, die Beerensträucher sind voller Fruchtansätze und versprechen eine reiche Ernte, das Tal leuchtet im Maigrün. Die Himmelsgabe „Regen“ kam über Nacht, das lässt alles hoffen… doch man weiss nie was das Universum im nächsten Moment für einen bereit hält. Ich werde die Samu-Sesshinzeit nutzen Zazen zu praktizieren und Sanko-ji zu unterhalten. (Etwas unterhalten – gutes Wort finde ich und klingt amüsant und vielversprechend:-), wer unterhält hier wen?). Würde mich freuen mit anderen Personen zusammen zu sitzen und den Tempel zu unterhalten. Es ist grundsätzlich respektvoller für jeden Organisator, wenn man sich so früh wie möglich anmeldet.

Auch die Naikanwoche im Juni muss ich wahrscheinlich bald absagen, nur eine Anmeldung und es ist gar nicht sicher ob Ishii-san einreisen darf. Auch das Naikanleitertreffen werde ich dementsprechend absagen.
Diese Unsicherheiten und das ständige Umdenken, Reagieren, ermüden mich, da es auf der Arbeit bei mir auch so ist. Ich merke wie wohltuend Routine sein kann, doch Routine und Lebendigkeit schliessen sich eigentlich aus. Mein Lehrer Shohaku Okumura hat gleich nach seiner Rückkehr aus Europa den Tempel bis August geschlossen und die Devise rausgegeben Rückzug und Selbstreflexion. Im Moment sehne ich mich oft gerade nach diesem, doch habe ich mich gerade zu Beginn entschieden, das Maximum an Praxis, das geht, möglich zu machen, aber es ist herausfordernd. Anstatt eine Naikanwoche werde ich höchstwahrscheinlich ein Sesshin möglich machen, denn das ist einfacher zu organisieren.

Ihr fehlt – das vermehrte alleine praktizieren in der Abgeschiedenheit führt zu mehr Denken, es ist das was Kodo Sawaki mit „Das Leid/Schmerz nimmt zu“ ausdrückte. Kodo Sawaki zog sich drei Jahre in eine Einsiedelei zurück um sehr streng zu praktizieren, auf die Frage was sich durch das Alleine praktizieren, ändere, antwortete er so. Auf den ersten Blick, ist es also schwieriger zu praktizieren, auf der anderen Seite, weiss der Zenpraktizierende, das dies nur neue Dharmatore sind, gewissen Dinge/Gewohnheiten stellen sich als Illusion heraus. Neue Realitäten erscheinen. Wenn wir „Sabai“ praktizieren, ein thailändischer Begriff, der eine Lebensart beschreibt, alle zu bewältigenden Dinge mit Entspanntheit, Grossmut, Gelassenheit, einem Lächeln anzugehen und ohne Stress mit viel Geduld, das zu tun, was ansteht. Fleissig wie die Bienen, aber ohne Stress, Burn out.
Für Sanko-ji heisst es, was auch immer passiert, ob Menschen kommen, ob es sauber und gepflegt ist oder nicht, es wird einfach unter den gegebenen Umständen praktiziert. Wir nehmen es so wie es ist, es gibt keine Vorgaben unter welchen Bedingungen zu praktizieren ist. Zuhause alleine, in Sanko-ji alleine, ….dennoch haben die „Alten“ ein einfaches Haus in der Abgeschiedenheit und Schönheit der Natur bevorzugt, aber es konnte eine armselige Hütte mit undichten Dach wie hier sein oder eine Höhle. Ein gesundes Leben in der Natur, mit viel Bewegung, Zazen inmitten des morgendlichen Vogelkonzerts, der Stimme des Tals, des Regens ist einfach eine ewige Quelle, wir sind ein bisschen mehr in Kontakt mit dem „Grossen“, die Praxis etwas „wirklicher” und können von unserer Umgebung Lernen.

Während der winterlichen Regen/Sturmzeit hat es leider in den einzigen noch nicht sanierten Flügel des Hauses reingeregnet, dort wo mein Schlafzimmer ist. Als Sturm und Regen einmal nachliessen, staunte ich beim Nachschauen auf dem Dach nicht schlecht, eins ganzer Sparren plus Dachlatte war weggefault. Der hinzugezogener Dachdecker meinte, …”das muss schon mehr als 20 Jahren reinregnen, sonst fault nicht ein ganzer Balken weg.” Das sind die Überraschungen, die das Leben ständig für uns bereit hält, ihr kennt das.
Und ihr wisst auch was zu tun ist, so etwas kann man nicht ignorieren, dies muss vor dem nächsten Winter erledigt werden, denn mit viel Schnee und Sturm würde das Dach einbrechen, …. da muss man einfach handeln,…

…anders ist es mit der Photovoltaikanlage, die ich diesen Sommer installieren lassen wollte. Dies ist ein „Zückerl“ wie die Alemannen sagen. Nach Dachschaden und Corona-Krise dachte ich zunächst, das Projekt fallen zu lassen, doch nun bin ich anderer Meinung:

– Die Photovoltaikanlage soll Sanko-ji mit ausreichend ökologischen Strom versorgen
– Sanko-ji wäre durch Photovoltaik theoretisch vollkommen autark und das war der Sinn vieler Zen-Tempel seit der Zeit von Hyakujo bis heute und hat sehr zum Wachstum/Überleben der Zenlinie beigetragen. Katagiris Tempel in den USA, das Pioneer Valley Zendo/USA und das neue Antai-ji/Japan u.v.m. sind Beispiele der Neuzeit, warum Zenlehrer entscheiden in der Natur ein einfaches, natürliches Praxisleben möglich zu machen. Warum dies sehr wichtig für den Zen-Buddhismus ist und war, habe ich schon einmal versucht darzulegen. Stichworte wie Unabhängigkeit, Freiheit, Anerkennung von Aussen, Konsumverzicht, die Vorteile des einfachen Lebens in so einer Institution, das Bewahren und weitergeben des Wissen wie man mit der Natur unabhängig von Konsum leben kann und autark sein kann, ein Leben mit und für die Natur, ora et labora, Gleichwertigkeit von Körper und Geist sprechen sehr dafür
– ein Zeichen setzen, denn hier im Tal engagieren wir uns gegen Windkraftgrossanlagen und die Zerstörung der Natur, mit Photovoltaik würde Sanko-ji eine andere ökologische Richtung aufzeigen – nicht nur dagegen sein., Wenn alle Häuser im Tal Solarenergien erzeugen würden, wären die Windkraftanlagen der Grossinvestoren überflüssig. Es würde die Dezentralisierung der Stromproduktion fördern.
– ein Zeichen setzen in Zusammenhang mit Rezession, gerade jetzt in die ökologischere Zukunft investieren, als auf seinem Geld hocken bleiben und auf bessere Zeiten hoffen. Wer weiss, was kommt? Inflation, Deflation, Rezession, Aufschwung, gesicherte Renten, Krankheit, Gesundheit, Tod? Man weiss nie, was…

Die Kosten für alles belaufen sich auf ca. 40000 €, Sanko-ji hat momentan keine Einnahmen, falls ihr das eine sinnvolle Idee findet, könnt ihr gerne unter dem Stichwort „Sonne“ Spenden, jeder € ist willkommen. Der Vorstand wird demnächst entscheiden, ob er trotz der sehr geringen Einnahmen in diesem Halbjahr, ausnahmsweise die volle Miete aus den Rücklagen zahlt, so dass ich diese in die PVA/Dachsanierung investieren kann.

Danke für eure Praxis und Sabai!!

Herzlich und Gassho

Gyoriki


Newsletter April

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis!
>
> Ich hoffe ihr und eure Familie seid wohlauf und ihr könnt gut mit den
> veränderten Lebensbedingungen umgehen.
>
> Die tägliche Praxis hier geht weiter, Zazen, Holz machen, den Garten
> vorbereiten, die Gartentreppe fertig bauen, … Dies alles in einem,
> wunderbar blühenden Umfeld inmitten des Belchenpanoramas, unter einem
> stahlblauen Himmel ohne Flugzeuglärm und inmitten noch grösserer
> Stille als sonst. Eigentlich sehr gute Bedingungen, doch leider kann
> ich die Praxis hier nun nur alleine fortsetzen.
>
> Das Karwochennaikan musste ich absagen, eine Ausnahmegenehmigung war
> bei der Polizei nicht zu bekommen. Es einfach „illegal“ zu tun, wäre
> gefährlich für das Zentrum gewesen, denn es ist noch ruhiger im Tal
> geworden, die Menschen noch mehr in Rückzug, Coronainfizierte im Tal –
> die Sorge kriecht in die tiefsten Winkel des Schwarzwaldes.
> Viele Menschen sitzen nun zuhause, die einen können die geschenkte
> Zeit nutzen für die Selbstreflexion oder Zazen, die anderen werden
> aktiv und schreiben lange mails, wie ich (hihihi), um den anderen zu
> zeigen, dass sie im home office auch noch unglaublich produktiv und
> eloquent sind, und andere stürzen ab, weil sie nicht für diese social
> distancing Situation gerüstet sind.
>
> Ich habe lange gezögert überhaupt einen newsletter zu schreiben, da
> die Mailflut von überall zunimmt und mails immer länger werden. Weil
> die Sorge, die ungewohnte Situation oft zu noch mehr Aktivismus führt
> (online Zazen, online coaching, webinairs für dies, Tutorials für das
> und dies, Ratschläge hin und her).. da wollte ich nicht auch noch
> mitmachen…. und nun, denke ich ein paar Fragen zu stellen, Gedanken zu
> teilen, könnte sinnvoll sein. Aber ich teile das mail in zwei
> Abschnitte – 1. Abschnitt kurz und wesentlich für alle, die klar und
> ruhig und gut zurechtkommen mit der Situation – und im 2. Abschnitt –
> Fragen, Gedanken, zum Thema „Was passiert da gerade – Seuche, Angst,
> Aktivismus?“ u.a. von Kodo Sawaki, dem Philosophen G. Agamdem, Olga
> Tokarczuk, Shoken Winecoff, mir, u.a.
>
> *1. Wesentliches* – Shikantaza – aufhören zu reden und aktivistisch zu
> werden, einfach nur hinsitzen – ist das, was am besten zu tun ist,
> weil die Praxis ohne Anfang und Ende ist, die Gegensätze und das
> Universum umschliesst, auch das Virus, die Coronakranken, die sich
> Fürchtenden, die Kritiker,…
>
> Also geht die tägliche Praxis in Sanko-ji weiter, gemäss unseren
> Bodhisattvagelübde – gerade jetzt! Und auch die Sesshins gehen erstmal
> weiter, aber nur mit Menschen die schon mal hier waren, einfach tief
> praktizieren wollen, ihr Essen selbst mitbringen, selbstverantwortlich
> handeln und sich an die vorgegebenen Hygiene/Abstandsregeln halten, da
> das sicher noch weniger sind als bisher – Praxis mit max. ein/zwei
> Dharmaschwestern/ -brüdern – sollte dies legal und flexibel
> durchführbar sein. Machen wird das so einmal – Nächstes Sesshin:
> *30.4-3.5.! Bitte baldigst anmelden! *
>
> Es zeigt sich, dass die Idee Sanko-jis, die Buddhist. Praxis innerhalb
> kleiner, überschaubarer Strukturen mit hoher Intensität anzulegen, in
> die richtige Richtung geht, doch in dieser Situation wird selbst das
> schwieriger…..!
>
> Gerade in schwierigen Zeiten zusammen Zazen praktizieren, das trennte
> schon immer die Spreu vom Weizen. Das können nur die Dharmaschwester
> und – brüder, die sich einfach hinsetzen und voller Vertrauen das
> Universum Zazen machen lassen. Habt Vertrauen in Zazen und einfach
> weiter machen! Das Universum tun lassen, Atemzug, einfach Sitzen,..!
>
> *2. Abschnitt: *Die Lockdown-Situation macht es also unmöglich in
> Sanko-ji und anderen buddhist. Zentren Naikan, Zazen zu machen oder
> andere Veranstaltungen durchzuführen. Sinn und Zweck Sanko-jis, immer
> allen Übenden Zuflucht zu bieten, sind sehr eingeschränkt worden. Wie
> gehen wir damit um? Auf der anderen Seite hätten die Menschen nun Zeit
> zu praktizieren, zu reflektieren und so etwas spirituell und
> gesellschaftlich essentiell Wichtiges zu tun. Die Gesellschaft würde
> davon absolut profitieren, warum ist dies nicht möglich? Was treibt
> unsere Gesellschaft dazu, dies zu verhindern?
>
> Zunächst möchte ich klar feststellen, dass ich sehr froh bin in
> Deutschland zu leben, eine handlungsfähige Regierung, Verwaltung zu
> haben, die alles im Griff hat, Menschen, Politiker, Beamte, die sich
> aufopfern; ein tolles Gesundheitssystem mit Ärzten/Pflegern, die alles
> geben, vieles riskieren; soziale Absicherung, etc…., auch das
> Wirtschaftssystem wird es wegstecken…. Vielen Dank! Nine bowsl! In
> solchen Momenten kann man alles das erst so richtig schätzen. Ich
> stehe also grundsätzlich hinter den Entscheidungen der Regierung. Auch
> bin ich kein Anhänger von Verschwörungstheorien ….
>
> Aber um mit den Worten von Georgio Agamdem zu beginnen, hier ein
> Auszug aus einem Zeitungsartikel vom 08.04. /NZZ:
>
> /Wie konnte es so weit kommen, dass angesichts einer Krankheit,
> deren Schwere ich nicht beurteilen kann, die aber bestimmt keine Pest
> ist, eine ganze Gesellschaft das Bedürfnis verspürte, sich verpestet
> oder verseucht zu fühlen, sich in den Häusern zu isolieren und die
> normalen Lebensbedingungen zu suspendieren, also ihre
> Arbeitsverhältnisse, ihre Freundschafts- und Liebesbeziehungen und
> sogar ihre religiösen und politischen Überzeugungen? Wie konnte es
> geschehen, dass von einem Tag auf den anderen jeder auf sich selbst
> und auf die anderen blickte, als wäre er, als wären sie blosse Agenten
> der Ansteckung, die ihr Gesicht mit einer Maske zu bedecken und einen
> Sicherheitsabstand von zwei Metern einzuhalten hätten? Es scheint mir
> notwendig, darüber nachzudenken.
>
> Offensichtlich ist es so, dass es die Seuche irgendwie, wenn auch nur
> unbewusst, bereits gab. Die Lebensbedingungen müssen zu solchen
> geworden sein, dass ein plötzliches Zeichen genügte, um sie als das zu
> erweisen, was sie waren – sprich: unerträglich, eben als eine Seuche.
> Und dies ist in gewisser Weise das einzig Positive, das sich aus der
> gegenwärtigen Situation ziehen lässt: Es ist möglich, dass die
> Menschen sich später zu fragen beginnen, ob ihre Lebensweise die
> richtige war.
> Aber auch über das Bedürfnis nach Religion, das die Situation
> zum Vorschein bringt, sollte man nicht weniger nachdenken. Ein
> Hinweis darauf ist eine dem eschatologischen Vokabular entlehnte
> Sprache, die im hämmernden Diskurs der Medien in geradezu obsessiver
> Art und Weise wiederkehrt und das Ende der Welt heraufbeschwört. Es
> ist, als hielte das religiöse Bedürfnis, das die Kirche nicht mehr zu
> befriedigen vermag, tastend nach einem anderen Aufenthaltsort Ausschau
> und fände denselben in derjenigen Religion, die längst zur wahren
> Religion unserer Zeit geworden ist: der
> Wissenschaft…./https://www.nzz.ch/feuilleton/giorgio-agamben-zur-coronakrise-wir-sollten-uns-weniger-sorgen-und-mehr-nachdenken-ld.1550672?mktcid=smsh&mktcval=E-mail
>
> Ich finde seine Fragen und Gedanken sehr interessant und berechtigt,
> beobachte ich doch u.a. schon lange eine Zunahme der Angst (Seuche)
> und Aktivismus (Seuche) als Indiz, einer Verängstlichung der
> Gesellschaft, Angst vor Fremden, Angst vor wirtschaftl. Not, Angst vor
> …, immer höheres Sicherheitsbedürfnis mit Rückzug in den
> Nationalstaat, in seine Festung. (Warum ist die AFD so stark? Hmm…).
> Ausserdem beobachte ich einen immer stärkeren und schneller werden
> Aktivismus, Machtübernahme expressiver Menschen (Populisten,
> Influencer), die uns mit tweeds zustopfen – Hauptsache lautstark,
> schnelle und einfache Lösungen präsentieren.
> Gerade in Notzeiten werden anscheinend noch mehr Infos, noch mehr
> Vorschriften, Massnahmeregeln, etc. produziert, anstatt sich für die
> Krise und in der Krise auszuruhen. Letzthin hörte ich, dass man sich
> im home office mittags virtuell zu gemeinsamer Pause trifft, um sich
> auszutauschen, wie wahnsinnig produktiv man im home office arbeitet
> und welche tollen Ideen man wieder hatte. Was ist mit denen, die da
> nicht mehr mit kommen, die das „ Spielchen“ nicht mehr mitspielen
> wollen und einfach ihre „Zwangsruhe“ zum Ausruhen benutzen oder sogar
> geniessen wollen? Angststörungen, Burn out nehmen immer stärker zu!
>
> Wäre das nicht eine Chance für die Gesellschaft? Dazu ein Text von der
> aktuellen Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, “Jetzt kommen neue
> Zeiten“ im Anhang, den ich sehr schön finde.
>
> Folge ich den Gedanken Agamdems dann haben wir es mit der Wissenschaft
> als neue Religion zu tun und unsere Bundeskanzlerin sagte in ihrer
> Rede, dass sie alles tut, was die Wissenschaft empfehle. (Leider nicht
> unbedingt, was Wissenschaftler beim Klimaschutz vorschlagen,
> etc…lassen wir das… es wird sonst endlos)
>
> Nun kommt noch mein fast liebster zeitgenössische Zenmeister Kodo
> Sawaki zu Wort:
>
> *Aus einem Radiointerview mit Kodo Sawaki 1965, *
> …
> /I: In diesem Fall übt die Wissenschaft heute ihre Autorität aus und
> beeinflusst jeden Aspekt des menschlichen Lebens./
> /S: Ja, ja/
> /Ich: Anstatt aufzuhören zu reden ../
> /S: Ja/
> /I: Die Wissenschaft schafft nacheinander verschiedene Theorien und
> produziert auch so viele Dinge. Alle Leute studieren sie. Im
> Allgemeinen schätzen wir es als treibende Kraft der menschlichen
> Zivilisation. Ich glaube, Zen geht in eine ganz andere Richtung als
> die Wissenschaft./
> /S: Ja, diese gehen sehr unterschiedliche Richtungen./
> /I: Aus welcher Sicht des Zen stimmt dann etwas nicht, was die
> Wissenschaft jetzt tut?/
> /S: Die Wissenschaft hat keinen Endpunkt, oder?/
> /I: Nein, aber gibt es einen Endpunkt im Zen?/
> /S: Menschen werden von der Wissenschaft benutzt, die keinen Endpunkt
> hat, nicht wahr?/
> /I: Na ja ../
> /S: Aber in der Welt der Wahrheit…/
> /Ich Ja./
> /S:… gibt es weder Anfang noch Ende./
> /I: Ok/
> /S: Immer, sowohl unter den Menschen des primitiven Zeitalter, als
> auch unter den Menschen des zivilisierten Zeitalter, gibt es etwas
> Gemeinsames. Zen kann auch auf die gleiche Weise in diesen gemeinsamen
> Bereich gehen. Wir können den gleichen Weg gehen und doch haben
> aufgrund der Entwicklung der Wissenschaft alle Menschen auf der Welt
> immer mehr Ängste. Wenn jemand den einen Knopf drückt, dann …(nukleare
> Waffen) (Heute: Wenn ein Virus kommt, dann…! Anmerkung Gyoriki)/
> /I: Ja/
> /S: Ha, ha, ha. Wir können nicht sagen, dass es keine Möglichkeit
> gibt, dass eine verrückte Person den Knopf drückt. Selbst wenn eine
> verrückte Person den Knopf drückt, sollte der Schaden, den wir haben
> würden, der gleiche sein. Wir können nicht sagen, wer das
> zivilisiertere Volk ist. Im Vergleich zu einer solchen Situation muss
> nur sitzen …/
> /Ich: Nun./
> /S: Viel sicherer sein. Wir Menschen werden nur immer beschäftigter
> und ängstlicher, wenn wir von der wissenschaftlichen Zivilisation
> benutzt werden. Ha,ha,ha…/
>
> Also auch Kodo Sawaki denkt, dass wenn wir von der wissenschaftlichen
> Zivilisation benutzt werden, immer mehr von Sorge und Aktivismus
> bestimmt werden, die uns nicht gut tut. Meine Frage also, gibt es noch
> das, was wir “den gesunden Menschenverstand“
> nennen und könnte nicht die Buddhist. Praxis ein gutes Medikament
> gegen Wissenschaftsgläubigkeit sein? Viele von Wissenschaftlern
> entwickelte Sachen (Photovoltaik) sind ja hilfreich, andere eher nicht
> (Nuklearwaffen). Wie mein Ordinationsmeister Michel Bovay immer wieder
> betonte: Wir müssen die Technik benutzen, sie nicht uns! Ebenso mit
> den Gedanken, wir sollten unser Hirn nutzen, nicht die Gedanken uns
> beherrschen.
>
> Wie also Aktivismus, Angst, Unheilsamen, entgegenwirken?…. Mit
> buddhist. Praxis: weniger Reden (Schweigen), weniger Aktivismus
> ( Reflexion), weniger Handeln (Sein), den Augenblick geniessen
> (tiefe Freude) – Praxis ohne Anfang und End über alle Gegensätze
> heraus (Shikantaza)
>
> Nehmen wie es kommt, Shoken Winecoff Abt von Ryomonji/Iowa
> veröffentlichte in der kleinen Lokalzeitung in Iowa monatlich kleine
> Aufsätze, hier einer der in diese Zeit passen könnte.
>
>
> /Frühlingsregen/
>
> /Wenn es regnet, sagt man, «der Phoenix ist glücklich». Der Regen
> tränkt die Erde. Grüne Sachen beginnen zu spriessen. Die Menschen
> mögen es die süssen Regentropfen auf der Zunge zu spüren. Doch der
> Frühlingsregen kann den Menschen auch Überschwemmungen und Chaos
> bringen. Manchmal bleibt das kalte und nasse Wetter einfach den ganzen
> Frühling hängen und man kann nicht in den Garten und auf die Felder.
> Warum kooperiert die Welt nicht mit mir und bringt den Frühling so,
> wie ich ihn benötige? Man sagt, es ist die Zeit zum endlich Rausgehen./
>
> /Und dann kommt der Sommer- er ist warm, angenehm und im Garten wächst
> alles. Aber er kann auch trocken und heiss werden, und wir kämpfen
> darum cool zu bleiben und beten für Regen. Wir hoffen, dass keine
> Dürre, kein Tornado oder andere Katastrophen kommen, aber es gibt
> keine Garantien. Es ist manchmal hart, dass zu erhalten, was das
> Universum schenkt./
>
> /Manchmal sagen wir, das Leben ist nicht fair. Aber wer sagt denn, was
> fair ist? Alles hat seinen eigenen Rhythmus. Wir möchten die Dinge so,
> wie wir sie gerne hätten. Aber die Drehungen des Universum haben ihren
> eigenen Drall./
>
> /Lernen eins zu sein mit dem was ist, benötigt einen grossen
> menschlichen Geist. Es benötigt Demut, es braucht Mut und es braucht
> Vertrauen. Vetrauen ist mehr als Glauben. Vetrauen ist weitermachen.
> Man sagt, wenn du das Weitermachen aufrecht erhalten kannst,
> beherbergst du wahrlich den Gastgeber. /
>
> /Es ist wie der Drachen, der ins Wasser eintaucht und der Tiger, der
> in die Berge eintritt. Drachen und Tiger sind grossartige Kreaturen.
> Ihre Grösse ist, dass sie alles was ist mit ganzem Herzen umarmen. Sie
> werden eins mit dem Wasser und den Bergen. Das erfordert Stärke und Mut./
>
> /Das Leben hat seine ernüchternden Momente. Wer hat gesagt, es wird
> einfach? Ich habe nicht die Antworten. Ich werde verblüfft, wie jeder
> andere auch. Aber wenn du einen Atemzug nimmst und aufstehst — ist
> dies der Weg der Alten und der Heiligen. Das ist wenn der Fisch zum
> Drachen und das Kätzlein zum Tiger wird./
>
> /Es gibt viel mehr zu tun als dem Frühlingsregen ins Auge zu blicken.
> Wir alle müssen mit den grossen Herausforderungen von Leben und Tod
> umgehen. Jede Jahreszeit ist wie sie ist und so ist es auch mit Leben
> und Tod./
>
> /Wir sind alle nur ein kleiner Atemzug des Universums. (Shoken Winecoff)/
>
> Ich hoffe, ihr konntet mit diesen Texten, Hypothesen, Fragestellungen
> was anfangen? Hoffe ihr könnt die Stille in euch errichten, denn wie
> Okumura Roshi immer wieder sagt, das wichtigste ist, das wir das
> Kloster in uns errichten. Praxis hier geht soweit weiter, wenn auch
> anders und weiterhin im kleinen und feinen Rahmen und hoffentlich bald
> mal wieder mit euch!!
>
> Tiefes Gassho und Frieden euch allen im Universum!
> Gyoriki


Newsletter März Nr.2

Liebe FreundInnen und Freunde Sanko-jis

Ich hoffe ihr seid bisher vom Covid2 verschont und nicht in Quarantäne oder erkrankt, wenn doch, so meldet euch, so dass wir zumindest telefonieren könnten.

Aus Anlass der Corona Virus Epidemie möchte ich euch über Folgendes informieren:

Der Praxisbetrieb läuft in Sanko-ji in reduzierter Form für nicht Risikopersonen weiter. Aufgrund der Grösse des Dojos, Weitläufigkeit des Hauses und des Geländes kann ein Mindestabstand von 2m gewährleistet werden. Die gängigen Hygieneregeln werden strikt eingehalten.

Ich gehe davon aus, dass jeder Praktizierende selbstverantwortlich handelt und nicht ins Zentrum kommt, wenn er andere Menschen gefährden würde. Das Kleine Wiesental ist bisher virusfrei. Allerdings gehöre ich zu den Menschen, die zur Arbeit gehen müssen, um den Sonderschulbetrieb und die Schülerbetreuung vor Ort aufrecht zu erhalten. Dies tue ich mit PKW, mit der leeren S-Bahn und mit dem Fahrrad und halte mich dabei an die gängigen Regeln. Trotzdem lässt es sich in meinem Job nicht vermeiden, dass ich in näheren Kontakt mit Menschen komme, so dass ich potentiell Träger des Virus sein könnte.

Auf der anderen Seite ist Sanko-ji als Zufluchtsort der drei Schätze gedacht und wir haben die Bodhisattvagelübde abgelegt. Gerade in solchen Zeiten ist es umso wichtiger Zazen mit dem Kesa zu praktizieren, der Basis des Soto-Zen, sind wir doch mit allen Wesen verbunden. Wer also die schwierige Zeit für ein Praxisretreat nutzen möchte, sei herzlich willkommen!

Schön wäre auch, wenn wir zu gemeinsamen Zeiten zuhause praktizierten, die Zazenzeiten wurden auf 5.30 – 6.30 am Morgen (Mo-Sa) verlegt und reduziert, so wie am Di und Do Abend 20.00 bis 21.00 Uhr verlegt und reduziert, so dass es einigen von euch leichter möglich ist Shikantaza zu sitzen. Naikan könnte man auch in dieser Zeit praktizieren, um seinen Geist zu klären und Dankbarkeit für die zahllosen unermüdlichen Helfer zu produzieren.

Ich bin überzeugt, wir können mit unserer Praxis die vielen Leidenden, die unermüdlichen Helfer, die Regierung in ihrem Bemühungen unterstützen und Solidarität zeigen. Natürlich kann auch jeder vor Ort zusätzlich helfen, schön zu sehen wie sich Hilfsgruppierungen bilden, um z.B. alte Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen, etc..

Vorletztes Wochenende war ich übrigens in Alés im Zendo L’eauvive um Okumura Roshi zu hören, er sprach über die Wichtigkeit der Bodhisattvagelübde und der Reue und begeisterte seine Zuhörer mit seinem tiefen Wissen des Soto-Zen und Buddhismus.
Er musste seine Europareise wegen des Virus früher abbrechen und benötigte fast zwei Tage, um wieder nachhause zu kommen. Er stellte aber in Aussicht, dass er nun doch noch einmal nach Europa komm. Er riet uns, die geschenkte Zeit zu nutzen um still zu werden und zu reflektieren.

Ich hoffe einige von euch, die nicht unermüdlich helfen müssen, können die geschenkte Zeit nutzen, um ruhig zu werden und zu reflektieren. Und den Helfern wünsche ich viel Kraft und sage Danke für euren Einsatz. Möge diese Krise unsere Welt ins Positive verändern.

Herzlich und Gassho und tiefe Praxis
Gyoriki