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Newsletter Januar 2020

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis

Happy New Year to all! Ende Januar findet das Sesshin mit Kesa-Nähen statt. Neben der Praxis von Shikantaza kann vier Stunden pro Tag die Praxis des Kesanähens erlernt und geübt werden.

Hierzu ein kurzer Auszug aus dem Buch von Shohaku Okumura Roshis „Durch Gelübde leben“, Kap. 4. „Das Feld des Glücks bestellen: Der Kesa Vers“:

„Als Dogen Zenji (Begründer des Soto-Zen) nach China reiste und im Jahr 1223 im Tiantong-Kloster zu praktizieren begann, konnte er sehen wie die Mönche in der Mönchshalle ihr gefaltetes o-kesa (das ist die formelle Bezeichnung für das Kesa bzw. für das Mönchsgewand) ehrfurchtsvoll auf den Kopf legten und diese Verse jeden Tag nach dem Morgenzazen rezitierten. Er hatte von dieser Praxis im Agama-Sutra gelesen, aber es noch nie selbst gesehen. Als er das traditionelle Rezitieren dieses Verses erlebte und sah, wie die Mönche ihr o-kesa anlegten, war er tief beeindruckt. Er schrieb über diese Erfahrung im Kapitel Kesa Sudoku des Shobogenzo (Verdienste des Kesa): „Damals fühlte ich, dass ich nie zuvor etwas Würdevolles gesehen hatte. Mein Körper war voller Entzücken und Tränen der Freude fielen still herab und tränkten das Revers meiner Robe.“ Der junge Dogen gelobte, diese Praxis nach Japan zu bringen.“

Das Ergebnis ist, dass wir nun 800Jahre später jeden Morgen nach dem Zazen, das Kesa-Sutra rezitieren, wenn wir das Kesa anlegen.

Als ich 1995 infolge meiner Zufluchtnahme zum ersten Mal im Tempel „La Gendronniere“ praktizierte, erlebte ich Ähnliches, denn nach dem Morgenzazen begannen plötzlich 350 Nonnen/Mönche/Laien das Kesa Sutra dreimal in uralter Sprache zu rezitieren.

Dai sai geda puku (Wie grossartig das prachtvolle Gewand der Befreiung)

Muso fukuden e (Feld des Glücks weit jenseits von Leere und Form)

Hi bu nyorai Kyo (des Vollendeten Lehre tragend)

Kodo Shoshu jo (befreie ich, alle Wesen)

Diese tiefe, uralte, kräftige Gelöbnis ging tief in meinen Körper ein und verursachte mir, dem völlig Überraschten, eine Gänsehaut und einzelne Tränen flossen meine Wange hinunter. So ging es nicht nur mir, sondern in solcher Weise berichteten mir später viele Dharmafreunde von ihrem ersten Erlebnis des Rituals….

Am gleichen Tag entschied ich mich mit dem Nähen eines Rakusus zu beginnen, – eigentlich wollte ich mir eins zur Bodhisattva-Ordination (Jukai) schenken lassen, da ich nicht Nähen konnte/wollte („Wichtigeres zur tun!“). Trotz meiner absoluten Nichtbegabung für dieses Handwerk wusste ich intuitiv: „Das muss ich tun, da muss ich durch!“ und das Rakusu wurde infolge zweier Nachtschichten rechtzeitig fertig. Trotz meiner Wurstfinger und „unglaublicher“:-) Leiden kaufte ich mir anschliessend Stoff für ein o-kesa und begann das  vermeintlich „Unmögliche“ . Es wurde tatsächlich 1997 zu meiner Mönchsordination fertig. Und obwohl ich wirklich anderes zu Tun hatte, kaufte ich wieder Stoff und nähte weiter und weiter… und jeden Morgen über mehr als 20 Jahre rezitierte ich das Kesa-Sutra im Dojo Basel….

Ausserdem trage ich fast immer eine Rakusu bei mir,…………Warum?…………..

Das Sesshin wird geleitet von dem Zenmönch und Dojoleiter des Zen Dojo Müllheims Christoph Martin. Er ist Schüler von Philipp Coupey und ein alter Dharma-freund und hat sich bereit erklärt das Sesshin im Sanshin-ji Style zu leiten, die „Sangha ohne Bleibe“ trifft auf die „Sanshin-ji Gemeinsschaft“ und praktizieren zusammen. Ich freue mich sehr darauf.

Im Anhang auch wieder die Fussnoten zu Zazen 12 von Issho Fusshita

Gute Praxis und viele schöne Winterbegegnungen in der Natur!

Herzlich und Gassho

Gyoriki


Newsletter Dezember

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-ji’s!

 
Intro: Schon wieder geht ein Jahr vorüber, es sind die kürzesten Tage des Jahres und doch wie das Foto von heute aus dem Zenkonyama zeigt, blühen schon wieder die ersten Blumen des Jahres um den Altar des Aussendojos (Nieswurz).
 
 
 
Es ist ein nie endender Kreislauf von Vergehen (Herbst/Winter) und Entstehen (Frühling/Sommer)….
Vergehen/Entstehen lässt sich offenbar nicht so einfach separieren/unterscheiden…
Es ist komplexer, alles miteinander verwoben…
 

„Im Licht ist die Dunkelheit,
Doch haltet sie nicht für Dunkelheit.
In der Dunkelheit ist das Licht,
Doch betrachtet es nicht als Licht.

Licht und Dunkelheit sind Gegensätze“ aus dem Sandokai
 
Es ist etwas, das unabhängig, ausserhalb unserer Kontrolle passiert…
Es ist etwas, was auch passiert, wenn wir nicht mehr da sind….
Es zeigt, wieder ist ein Jahr vergangen, wieder ein Jahr weniger, um als Bodhisattva erfüllt von Gelübden die Welt/Wesen zu retten? (Also muss ich nochmal wieder kommen;-)
Es ist wieder Zeit mit den DREI Naikanfragen Rückschau zu halten:
Was habe ich alles erhalten?
Was habe ich alles wem gegeben?
Wem habe ich Schwierigkeiten bereitet?

Es ist eine heilige Zeit,… es ist ruhiger und stiller und oft dunkler als sonst..
Es ist die Zeit mit der Familie zu sein..
Es ist die Zeit von Stille und Frieden…
Es ist die Zeit, in der ich gerne draussen bin, das Licht, die Stimmung alles ist anders…
Es ist die Zeit, in der vor 2019 Jahren laut christlichem Glauben „ein Licht“ in die Welt geboren wurde?

Wo, was, wie ist meinem Licht?
Produziere ich genug Energie, damit es nach aussen leuchten kann?

 
„Praktizieren sie sich selbst? von  Shohaku Okumura
 
Dogen Zenji schreibt, dass unsere Praxis nicht vom Zustand der Welt abhängig ist, sondern dass wir in unserer Praxis unseren ureigenen Familienschatz verwenden und unsere Praxis die Welt beeinflussen kann. Der Schatz kommt nicht von außen; Die Schatzkammer befindet sich in unserem eigenen Haus. Es ist unser Familienschatz. Es ist kein Schatz, den wir finden müssen. Wir erhalten und nutzen unseren eigenen Familienschatz, er hängt nicht von den Bedingungen der Gesellschaft ab. Wir üben mit unserer eigenen Lebenskraft, es liegt also nicht an den Bedingungen der Welt oder den Bedingungen des Zeitalters, in dem wir leben.
 
Es ist nicht so, dass wir nicht praktizieren oder Erleuchtung erlangen können, weil dies eine entartete, böse Welt ist, sondern dass wir die Welt verändern können, wenn wir wirklich in diesen fünf Skandhas praktizieren. Hier ist Dogen sehr optimistisch oder positiv.
 
In Genjokoan sagt Dogen, den Buddha zu studieren, heißt, das Selbst zu studieren, und das Selbst zu studieren, heißt, das Selbst zu vergessen, und das Selbst zu vergessen, heißt, von allen unzähligen Dharmas verifiziert zu werden. Der wichtige Punkt ist, dass in all diesen unzähligen Dharmas (bunpo) das Selbst oder diese Person enthalten ist. Das bedeutet, dass alle unzähligen Dharmas alle unzähligen Dharmas verifizieren. Also verschwindet dieses Selbst; in unserer Praxis sollte dieses Selbst vergessen werden. Das ist es, was Dogen mit Zenki meinte, in der Übersetzung von Katagiri Roshi bedeutet der Ausdruck Zenki, „totale Funktion“ oder „totale dynamische Arbeit“ . Das heißt, ki ist ein Teil dieses Netzwerks der voneinander abhängigen Entstehung, ein Knoten dieses Netzwerks der Vernetzung, nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit. Alles ist mit allem in der dreifachen Welt und der Zehn-Richtungen-Welt verbunden
 
Wichtige INFOs:
1.Leider musste ich das Naikan wegen eines Missverständnisses absagen, deswegen besteht nun neu am 31.12. die Möglichkeit einen Zazenabend zu besuchen. Von 17.00 -22.00 Uhr mit anschliessender traditioneller. Räucherzeremonie im ganzen Haus.
 
17.00 Essen
18.00  Zazen
18.50 Kinhin
19.00 Zazen
19.50 Kinhin
20.00 Zazen
20.50 Kinhin
21.00 Zazen
21.50 Räucherzeremonie Haus
Ende
 
Vom 24.12 – 26.12. und 3.1.-5.1. ist Sanko-ji geschlossen, dazwischen könnt ihr gerne zum Helfen, Sitzen vorbeikommen.
 
2. Nach dem Rohatsu in Sanshin-ji sind Shohaku Okamura Roshi und ich darin übereingekommen, dass ich ab sofort sein Schüler sein kann. Um meine Registration zu erneuern, leider abgelaufen, …ja nu…werde ich als Shuso am Ango 2021 in Ryumonji/Iowa teilnehmen und dort Hossenshiki Zeremonie machen. Ryumonji ist ein Tempel in der Tradition Katagiri Roshi, dessen Buch „Rückkehr der Stille“ mich zu Beginn der Praxis sehr prägte. Ich bin froh nun auch in dieser Tradition studieren zu dürfen. Der Abt Shoken Winecoff schein auch ein sehr netter und interessanter, erfahrener Lehrer zu sein. Das wird sicher sehr gut. Später werde ich dann, innerhalb der nächsten 5 Jahre, die dharma transmission von Okamura Roshi bekommen, so die Planung.
 
Mein Angya (Wanderung des Unsui von Meister zu Meister) ist damit beendet!  Endlich! Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder einen Lehrer habe und Teil der Sanshin-ji Familie (Sangha) sein darf. Es macht mich glücklich, da er eine Ausnahme machte, weil er keine Schüler mehr nimmt. Das macht mich besonders dankbar. Es fühlt sich gut an und ich hoffe für euch wird sich auch etwas positiv verändern. Die Zeit des Angya war wahrscheinlich die spannendste Zeit in meinem Leben, soviel hat sich verändert in den 12 Jähren seit mein Ordinationsmeister und ersten Lehrer Missen Michel Bovay krank wurde, soviel habe ich gelernt, soviel raus aus der „Komfortzone“, soviel initiert und Gutes getan, und soviel Fehler gemacht und bereut. Das einst florierende Zen Dojo Basel begraben, gegen die übermächtige AZI keine Chance. die Zenklause aufgebaut, Naikan in meine Praxis integriert, viele Sanghen und Lehrer kennen gelernt, danke! Sie waren alle so offen und nett zu mir. Ich bin dankbar, bei aller Trauer um den Tod meines Lehrers, den Verlust meiner Sangha, denn es haben sich viele Dharma Tore geöffnet und das Licht ist heller denn je und der Weg deutlicher. 
Vor allem habe ich nun einen Lehrer und Sangha gefunden, die einen so akzeptiert wie man ist, in der man frei praktizieren, reden kann, die sehr ernsthaft den Weg Dogens praktiziert – ohne Spielzeuge, wohl keine Sangha hat das Privileg mit einem solch guten Kenner Dogens zu studieren wie Okumura – wie heisst so schön der Slogan Kosho Uchiyamas „Ein Sitzen, zwei Praktiken (Gelübde und Reue), drei Geiste ( freudiger Geist, grossherziger und aufziehender Geist), keine finanziellen Interessen oder Machtinteressen der Lehrer bestehen, nicht sektenhaftes, nur Freiheit, Freude und Leichtigkeit der Praxis stehen im Vordergrund.
Was wird sich hier ändern? Ich denke die Richtung in der Sanko-ji gehen wird, wird klarer. In den nächsten Wochen werde ich versuchen herauszuarbeiten, was die Sanshin-ji Gemeinschaft ausmacht. Wir sind wieder Teil der grossen Gemeinschaft des Soto-Zen und der kleinen Sanshin-ji Community. Das meiste praktizieren wir ja schon im Stile Sanshin-ji. Für den einzelnen ändert sich hoffentlich nichts, denn jeder ist seiner Praxis Schmied und die muss man v.a. dann Schmieden, wenn sie kalt ist und die Basis bleibt einfach Shikantaza und „ohne Spielzeug“, auch die 50’ Minuten Zazens bewähren sich, wenn man Zazen nicht als Askese oder Martyrium praktiziert. Ich hoffe auch, dass die SchülerInnen der Sanshin-ji Gemeinschaft zukünftig hier an den Sesshins in Sanko-ji teilnehmen. Hier „Teilhabe“ finden.
 
3.Das Januar-Sesshin mit Kesa Nähen geleitet von Zenmönch Christoph Martin, vielleicht jetzt wieder interessanter für einige Praktizierende, da nun die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass hier in Sanko-ji bald zumindestens Jukai (Zufluchtnahme) genommen werden kann. Aber auch so eine gute Möglichkeit viel Zazen und aber auch 4 Stunden/Tag zu nähen.
 
4. Danke an alle die in Sanko-ji geholfen haben, es unterstützt haben. Ich wünsche euch eine gesegnete und heilige Zeit mit viel Stille, eine Zeit, in der ihr aus dem Tunmodus etwas aussteigen könnt, den Blick nach Innen richten könnt, etwas mehr Zeit habt für ein Sitzen, zwei Praktiken und drei Geiste.
 
5.Genki – Munter, gesund, heiter – dies ist das Kanji, das ich dieses Jahr kalligrafieren werde, und vielleicht als Motto des Jahres 2020 in Sanko-ji gelten könnte
 
6. Fussnoten zu Zazen 11von Issho Fusshita im Anhang
 
Gassho
GyorikiNe

Newsletter November

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis

Nun ist es klar geworden auf den Höhen des Schwarzwaldes liegt schon recht viel Schnee. Draussen ruht die Arbeit mehr oder weniger, ausser das stetige Schneiden und Spalten des Holzes, das uns hier im Haus wärmt.
Jeder, der einmal ein Sesshin oder Naikan hier gemacht hat, weiss, wovon ich spreche. Die Wärme des Holzofens geht tief rein in Muskeln und Knochen und bringt uns die tiefe Freude und Entspannung, die wiederum notwenig ist für Naikan und Zazen.
Hier im schwarzen Wald erfüllt mich regelmässige tiefe Dankbarkeit für die Lieferanten des Holzes und ich schäme mich für unsere Spezies, die es schafft immer mehr Wesen diese Planeten nach wirtschaftlichen Nutzen einzustufen. Wo ist der Respekt geblieben vor dem Universum, dem Dharma und die Freude und Dankbarkeit? Schade…

Ende Oktober/November hat eine wichtige Naikanwoche hier stattgefunden. Zum ersten Mal wurde ein Naikan geleitet, während dem ich nicht anwesend war. Suzan hatte sich dazu bereit erklärt, dies erforderte von uns beiden viel Vorbereitung, denn Suzan kannte das Haus nicht und wusste nicht, was es alles zu bedenken/tuen gab. Umgekehrt war mein Job möglichst viel Vorzubereiten und zu Bedenken, was Suzan alles wissen muss. Lange Rede, kurzer Sinn, es war sehr anstrengend für uns, es ist gelungen, da Suzan sich auf alles einliess,…. die Küchensituation, Samu und Zazen, die Holzöfen, etc…und vieles mehr. Ausserdem half Albin an drei Tagen beim Kochen und Putzen, ohne ihn, wäre dieses Naikan nicht möglich gewesen. Grossen Dank an Albin und Suzan!
Es hat sehr gut geklappt, die Teilnehmer haben gute Arbeit gemacht und den inneren Acker vorbereitet für ihr künftiges Leben und nächstes Jahr wissen wir es, wie es geht. Voraussetzung ist, dass wir wieder jemand finden, der die drei Tage, an denen ich arbeiten gehen muss, beim Kochen assistiert oder es sogar übernimmt.
Grundsätzlich könnt ihr an jedem Naikan euch melden, helfen und so einsteigen. Es wäre ein grosses Geschenk und notwendig. Bitte meldet euch, wenn ihr das möchtet, insbesondere suchen wir schon jetzt wieder für Ende Oktober 2020!

Ausserdem benötige ich noch mindestens eine Person, damit das Naikan über den Jahreswechsel stattfinden kann. Bitte diese Nachricht weitertragen;-)

Zum Schluss noch ein Zitat von Kosho Uchiyama Roshi zum Mysterium Zazenhaltung:
„Eines Tages kam ein Westler zu mir und fragte mich: Ich möchte gerne Zazen praktizieren, aber ich kann nicht mit gekreuzten Beinen sitzen. Was denken sie über auf dem Stuhl sitzen während Zazen?
Es ist nicht so gut. Im Halblotus oder Volllotus sitzen ist etwas komplett anderes als auf dem Stuhl sitzen. Wenn sie wirklich richtig sitzen, werden sie den Unterschied merken. Es scheint ähnlich zu sein, aber der mentale Zustand ist anders. Wenn sie mit gekreuzten Beinen sitzen, wird der Körper gerade und der Geist wird auch geradeaus, direkt, unkompliziert, einfach (straightforward).
Im allgemeinen, weil Westler lange Beine haben, können die, die in ihren 20ger Jahren beginnen, oft einfacher sitzen als Japaner; die in den 30er Jahren scheinen oft Schmerzen zu haben, und es sind nur wenige die in ihren 40er mit dem Sitzen beginnen können. Es ist fast unmöglich für Menschen in den 50er Jahren. Wenn Personen aber trotz des Alters sitzen wollen, empfehle ich das Stuhlsitzen als die 2. beste Methode. Der entscheidende Punkt ist, dass sie auch hier die Wirbelsäule so strecken, dass sie sich fühlen als würden sie den Unterleib auf ihren Schoß platzieren. Und dennoch ist das dann eine ganz andere Haltung als die echte Zazenhaltung. Warum wird Körper und Geist „straigthforward“? Ich kann es nicht mit Worten erklären.“

Dann natürlich noch Issho Fusshitas Fussnoten zu Zazen Nr. 10 im Anhang. Viel Freude beim Studieren.

Ich bin nun schon in den Vorbereitungen für das Rohatsu in Sanshin-ji USA und schon recht nervös, wie vor jedem Rohatsu und ganz speziell vor dem, da es noch eine lange Hin- und Rückreise beinhaltet. Die mich kennen wissen – ich bin kein Fan von langen Flugreisen und dennoch freue ich mich sehr, denn das Rohatsu ist jedes Jahr der Höhepunkt des Jahres für mich, denn wie ich en eben gelernt habe, da wird Körper und Geist straightforward und das habe ich gerne;-), weiss auch nicht warum:-)

In diesem Sinne wünsche ich euch ein direkte, gerade, einfache, unkomplizierte Praxis. Melde mich im Dezember wieder.

Herzlich und Gassho
Volker


Newsletter Oktober 2019

Liebe Freundinnen und Freunde Sanko-jis

Ich hoffe, ihr habt die Musse zumindestens Phasen dieser wunderbaren Herbsttage zu geniessen. Nur im Herbst ist die Luft so klar, die Farben so schön wie sie sind, die Stimmungen mit ihren mannigfaltigen Kontrasten so vollendet, dass ich am liebsten die ganze Zeit Stimmungen fotografieren möchte.

Hier in der Zenklause ist nun die reiche Ernte eingefahren, die letzten süssen Trauben verspeise ich gerade, im Keller reifen Birnen und Quitten nach.
Es ist die Zeit des Erntedankes und die Vorbereitung auf die Zeit des Rückzugs ins Haus, in der wir uns traditionell weniger Bewegen, mehr in uns zurückziehen und Rückbesinnen.
Hier in Sanko-ji haben wir noch die Möglichkeit im Rhythmus der Jahreszeiten/Natur zu leben und ich bin sehr dankbar dafür,

Diese wertvolle Zeit des Rückszugs beginnt hier dann auch mit einer ausgebuchten Naikanwoche geleitet von Suzan Mazumdar, auf die ich mich sehr freue. Die nächste Möglichkeit Naikan zu üben, wäre dann über den Jahreswechsel, eine „starke“ Zeit für den Rückzug.

In den letzten Tagen habe ich mich mit der Vorbereitung der Naikanwoche (Essensplanung/Einkaufen/Organisation) beschäftigt und mit der Übersetzung der Fussnoten 9 zu Zazen von Issho Fusshita. Das Übersetzen fiel mir dieses Mal schwer, da das Thema Loslassen und die detaillierte Sprache die Fusshita benutzt bzw. die Gründlichkeit und Kleinschrittigkeit mit der er erklärt, mir grosse Schwierigkeiten in der Wortwahl bereiteten. Loslassen, die Essenz des Zazen, sollte aber tiefgründig von jedem Praktizierenden verstanden und angewandt werden können, so war es nötig, dass ich mir grösstmögliche Mühe gab. Doch empfehle ich mangels meines Übersetzungsvermögen, in jedem Fall das englische Original zu lesen. Ich wünsche viel Freude beim Nachvollziehen der Gedankengänge und dem Herabtauchen in die Möglichkeiten und Freuden des Loslassen. Ich empfehle allen Übenden egal welchen Übungsgrads, das Wesen des Loslassen zu durchdringen und hierin nicht nachzulassen.

Was sind die Alternativen zu Loslassen während des Zazens? – Kämpfen, Aushalten, Wegträumen/Dösen,….Das Erleben der Freude und Leichtigkeit von Zazen, wie von Meister Dogen beschrieben, insbesondere in einem Sesshin, geht nur über das virtuose Anwenden des Loslassen. Schmerzen körperlicher oder seelischer Art sind doch, so eine Sichtweise, oft Folge von Verspannungen psychischer und/oder muskulärer Art. Wie sollte ein Rohatsu mit 14 Stunden Sitzen/Tag zu Zazen in Leichtigkeit und Freude führen, ohne Loslassen? (abgesehen von der richtigen Zazenhaltung natürlich, s. Fussnoten 1-6):-) Wie sollte vieles andere Leid dieser Welt zu Freude führen?

Eine persönliche Anmerkung mit Beispiel: Persönlich finde ich das Loslassen während eines Sesshin nach fast dreissig Jahren Übung als recht einfach. Das 7Tage Sitzen à 14 Stunden, wie bei einem Rohatsu à la Antaiji führen einen wie von selbst dort hin. Freude und Leichtigkeit werden zur Basis. Doch im Alltag finde ich es immer noch schwierig jederzeit loszulassen, besonders bei körperlichen Schmerzen. Durch eine verkrümmte Wirbelsäule und diverser Schleudertraumen in der HWS kann es bei mir durch Überbelastung/Fehlbelastung oder kleinere Unfälle immer wieder zu sehr starken Verspannungen im rechten Rückenbereich kommen, die wenn ich sie nicht Loslassen kann, zu starken Verspannungskopfschmerzen mit Atemproblemen im schlimmsten Falle gar zu Migräne führen können. Natürlich habe ich in den letzten Jahren meine Dehnübungen entwickelt und es gelingt mir in 99% der Fälle selbst innerste, einst tief verborgene Muskeln zu entspannen; doch fand die Überbelastung auf mehreren Ebenen statt, z.B: Wandern, Holzspalten und noch ein kleiner Ausrutscher beim Wandern, dann können die Verspannungen komplex und unübersichtlich werden und mich zu tagelangem ständigen Loslassübungen führen. In sehr seltenen Fällen (1-2x pro Jahr) hilft aber immer noch gar nix, ausser eine Schmerztablette nehmen,…ergo weiter Loslassen;-)
Doch durch unendliches Loslassen kann ich auch im Alltag ständig aktiv Verspannungen loslassen bzw. die Muskeln der Wirbelsäule aus der Fehlhaltung durch aktives Gegensteuern bei gleichzeitigem Entspannen herausführen. In einem Sesshin führt dieses Loslassen/ aktive Korrektur durch jahrelange Übung zu ununterbrochenen Üben auch im Schlaf, also nonstop….es wird zur heilenden Gewohnheit. Im Arbeitsalltag, kann ein längerer Unterbruch der „aktiven, unbewussten“ Übung allerdings zu immer wieder kehrenden Rückschritten bzw. Stillständen führen, so dass sich der ganze Prozess über Tage hinziehen kann. Das klingt mühsam, doch wie wunderbar ist doch das Gefühl der Selbstkontrolle, ich kann meine Krankheit selber heilen und bin dadurch körperlich auch immer noch recht fit und belastbar. Ein Gefühl grosser Dankbarkeit und Freiheit sind Folge dieses unablässigen Übens körperlichen Entspannens und Autokorrektur. Über die Benefits des Loslassen auf den verschieden geistigen Ebenen mag ich jetzt gar nicht erst eingehen.
Also…, deswegen finde ich die Fussnoten 9 auch ungemein wichtig, versucht er doch diesem wichtigen, schwierigen Thema auf den Grund zu gehen und es uns Nahe zu bringen. Zazen/Sesshin ist keine Askese!

Ein wunderbaren Herbst des Loslassen euch!

Herzlich und Gassho
Gyoriki


Newsletter September 2019

Liebe Freundinnen und Freunde der Zenklause

Was für ein prächtiger Herbst – geniessen wir ihn!

Die nächsten Veranstaltungen entnehmt bitte dem Veranstaltungskalender unten oder dem auf der neuen homepage.

Für alle Sesshins und das Naikan zum Jahreswechsel sind noch Plätze frei, das Naikan Ende Oktober ist schon lange ausgebucht und es besteht eine Warteliste.

Das Rohatsu findet dieses Jahr ausnahmsweise nicht statt, da ich zeitgleich am Rohatsu in Sanshin-ji in den USA, im Zentrum von Shohaku Okumura Roshi teilnehme, der Zeitplan ist der gleiche – old antai-ji style-, also sieben Tage „Nur-Sitzen“.
Shohaku Okumura Roshi und ich werden dort auch besprechen, ob ich sein Schüler werden kann (er kannte meinen Ordinationsmeister M. Bovay), was aber auch heisst, dass ich Hossenshiki (Shuso-Zeremonie) machen soll und damit in das „traditionelle“ Soto-Zen wieder eingegliedert werden /soll/ möchte.
Wie wir/ich entscheiden ist noch offen, da ich keine grosses Bedürfnis nach dergleichen verspüre, aber es könnte eine Notwendigkeit vorliegen, der ich Folge leisten könnte. Schauen wir mal….

Warum könnte es interessant sein Schüler in Okumura Roshis Linie zu werden, u.a. wegen solcher Aussagen, wie die unten von seinem Meister Ushiyama Roshi. Mir gefällt die Gründlichkeit, Einfachheit, Klarheit dieser Linie, die aus der tiefen, radikalen Praxis von Shikantaza entspringt…und ich bewundere die Bücher, Texte, Kommentare, die aus dieser Praxis entstanden und die Normalität, Unaufgeregtheit und Bescheidenheit, wie sie das einfach in den Alltag mit dem tiefen Wunsch, das irgendwann alle Menschen einfach Zazen üben, umsetzen.

„Wenn Sie klar verstehen, dass diese Welt, die Sie sehen, wirklich nur die Welt des Selbst ist, und dass wenn sie sterben, Sie mit dieser ganzen Welt sterben, wird das konventionelle Wertesystem verschwinden.“ K. Ushiyama

Ist das nicht eine wunderbare Befreiung von vielem!?

Im Anhang die Fussnoten zu Zazen 8 von Issho Fusshita

Von Herzen wünsche ich euch viele Gelegenheiten Naikan und Zazen zu praktizieren oder einfach nur die Möglichkeit, einen Moment in der Frühherbstsonne unter einem alten, ehrwürdigen Baum zu sitzen.

Gassho
Gyoriki


Newsletter August 2019

Liebe Freundinnen und Freunde von Sanko-ji!

Hier das Neuste von der Zenklause, alles möglichst kurz gefasst und zwei/drei Sachen etwas länger für die, die mehr Lesen möchten, von S.Okamura, I. Fusshita und mir.

  • Gestern ging das Spätsommersesshin zu Ende im old Antai-ji Stil – zwei ganze Tage freudiges leichtes Sitzen mit Kinhin und ein wenig nötiges Samu. freu mich schon auf das Nächste!:-)
    Ebenso fand gestern die Jahreshauptversammlung des Vereins statt. Im harmonischen und konstruktiven Rahmen zusammensitzend, beschlossen wir einige wichtige Sachen, die uns sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken lassen. Alles weitere können Vereinsmitglieder dem Protokoll entnehmen.
  • am 7.9. Zazen open air im Zenkonyama geleitet von Christoph Martin. s. neue homepage.
  • die neue homepage wird in den nächsten Tagen online geschaltet, ich finde sie gut, aber es braucht sicher noch Zeit, sie zu vervollständigen. Viele Stunden habe ich in den Ferien daran gearbeitet. Es hat auch Freude gemacht und gab mir die Gelegenheit einiges anders zu gestalten und formulieren. Hinweise sehr willkommen.
  • das Naikan im Oktober bei Suzan ist erfreulicherweise schon ausgebucht, nächste Möglichkeit für die Naikanpraxis bietet das Jahreswechselnaikan begleitet von Alexander.
  • 29.,30, 31.10 – wäre eine Küchenhilfe während der Naikanwoche nötig, da ich an diesen Tagen arbeiten muss. Könnte jemand für ein paar Stunden, einen Tag oder drei Tagen Kochen helfen?! Das wäre super, und würde Suzan und mich entlasten, bitte melden! Eine Aufwandsentschädigung ist möglich.

Im letzten Newsletter hatte ich mich mit der Frage und Notwendigkeit des Verzichts beschäftigt, und zwar im Zusammenhang damit, dass der Mensch wahrscheinlich dabei ist, seine Lebensgrundlagen selber zu zerstören. In diesem Zusammenhang las ich heute im neusten Sanshin-ji newsletter, in der Rubrik „Fragen an den Zenlehrer Okamura: Roshi“ folgendes:

Frage: Roshi, zerstören „wir“ die natürliche Welt?

Die Antwort von Shohaku Okumura: Alles bewegt sich und verändert sich, kommt und geht in dieser großartigen Natur. Innerhalb dieses gesamten Netzwerks von voneinander abhängigen Ursprüngen ist jeder von uns wie eine Wolke am Himmel – erscheinen, eine Weile bleiben, sich ändern und verschwinden. In unserem Zazen werden wir wirklich ein Teil dieser Bewegung. Weiße Wolken behindern nicht das gesamte Netzwerk oder den riesigen Himmel. Aber irgendwie zerstören wir Menschen die Natur. Wir behindern diese ganze Bewegung aufgrund unserer Wünsche, aufgrund unserer Illusion, dass wir das Zentrum der Welt sind und dass es das Richtige ist, unsere Wünsche zu erfüllen. Indem wir versuchen, unsere Wünsche zu erfüllen, stören wir dieses gesamte Netzwerk. Wir zerstören sogar die Natur. Obwohl wir ein winziger Teil der Natur sind, glauben wir, dass wir der Eigentümer der Natur sind. Ich denke, das ist eine sehr grundlegende Täuschung, die wir modernen Menschen haben. Und so schaden wir uns.

Wenn ich selbst erfahrenen Zazenpraktizierden, wie z.B. gestern an der Hauptversammlung, von den Sesshins hier im Old Antai-ji Stil erzähle, dann kommen immer Fragen und spontane Reaktionen, wie:

Warum muss das so hart sein! Geht es nicht sanfter? Das ist doch schwierig, anstrengend, Selbstkasteiung, Askese? Müssen Anfänger denn auch so hart sitzen? Ist es nicht besser sanft einzusteigen? Einsteigersesshins, z.B? Kein Wunder kommt keiner! Auf der anderen Seite berichten sie, dass es in anderen Sanghen zu wenig Zazen, zu lasch, zu sanft, zuviel Geschwätz, etc. gibt! 14 Stunden Zazen am Tag erscheint vielen Menschen als „Hart“! Es macht ihnen Angst, wenn sie ehrlich sind, macht Ihnen schon ein Zazen Angst. So schade!
Zazen gilt als hart, schwierig, nüchtern, gefühlsfeindlich, menschenverachtend, im Zazen sind Freude, Leichtigkeit, wohlfühlen nicht möglich…u.v.m., Zennonnen und mönche gelten als harte „Kerle“ ohne Sinnlichkeit und mit abgetöteten Gefühlsleben! Wenn ich dann antworte das Gegenteil ist der Fall: 14 Stunden Zazen am Tagen machen es erst möglich, wie Dogen sagt, grosse Freude und Leichtigkeit zu empfinden, dann denken sie, der „verarscht uns, der will uns ködern. Ebenso erscheint eine Woche Naikan vielen, auch mir damals, als unvorstellbar anstrengend, hart, schwer und schwierig, ….So scheint es nur wenigen vergönnt zu sein, easy und happy zu praktizieren und ich sitze meist alleine solche Sesshins hier.

Interssanterweise geht Isso Fusshita in seinen Fusnoten zu Zazen 7, die ich heute übersetzte, genau auf dieses Dilemma ein. Viel Freude und Leichtigkeit beim Zazen euch! Gebt Zazen noch eine Chance 🙂

Ganz herrlichen Spätsommer euch!

Gassho Volker